
Kohle statt Gold
Filtration
Holzkohle riecht nach nichts, doch sie verändert alles, was durch sie hindurchfließt. Rektifizierter Alkohol ist zwar schon sehr rein. Er trägt aber immer noch Spuren von Fuselölen und anderen Aromastoffen, die einen scharfen oder bitteren Beigeschmack hinterlassen können. Aktivkohle, oft aus Birkenholz gewonnen, bindet solche Stoffe an ihre poröse Oberfläche und lässt vor allem Alkohol und Wasser hindurch.
Genau dieses Prinzip nutzen beide Brennereien der Stadt in ihrer Standardproduktion. Mehrere Kolonnen aus Holzkohle lassen den verdünnten Alkohol langsam sickern, bevor er in Tanks zur Ruhe kommt und anschließend fein filtriert wird. Trübungen und Schwebstoffe verschwinden dabei, ebenso ein Teil der schärferen Aromen, die im rohen Destillat noch vorhanden sind.
Für die Premiumlinie Tsarskaya Gold beschreibt Ladoga nach eigenen Angaben einen zusätzlichen Schritt. Filter mit goldbesetztem Faden sollen dem Wodka dabei Ionen von 24-karätigem Gold zuführen. Das ist eine Behauptung des Herstellers, keine unabhängig geprüfte Eigenschaft. Mit dem eigentlichen Zweck der Filtration, nämlich Fuselöle zu binden, hat Gold zunächst nichts zu tun.
Was Filtration nachweislich leistet, ist bescheidener und trotzdem wichtig: Klarheit, ein sauberer Antrunk und ein Destillat ohne Sedimente oder Trübung. Geprüft wird das nach den Vorgaben der russischen Norm GOST R 51355 für Wodka und Spezialwodka. Diese Norm regelt sowohl chemische Werte als auch die sensorische Prüfung durch geschulte Verkoster.
Am Ende bleibt eine nüchterne Bilanz. Kohle entfernt, was den Geschmack stört, Gold verändert höchstens die Geschichte, die auf dem Etikett steht. Wer den Unterschied zwischen beiden schmecken will, muss weniger auf Werbeversprechen achten. Wichtiger ist, was nach zwölf oder mehr Filterstufen tatsächlich im Glas ankommt.