
Ab in die Gebinde
Fass, Flasche, Dose: Wie wird Bier abgefüllt?
Abfüllen ist der letzte Schritt und einer der heikelsten: Bier darf dabei kaum Sauerstoff aufnehmen und keine Kohlensäure verlieren. Gefüllt wird unter Gegendruck in Fass, Flasche oder Dose. Jedes Gebinde schützt anders vor Licht und Luft, und das schmeckt man.
Warum ist Sauerstoff beim Abfüllen so gefährlich?
Ein Bier kann wochenlang sorgfältig gebraut und gelagert sein und in einer Minute am Füller verdorben werden. Gelangt Sauerstoff hinein, oxidiert es. Fachleute meinen damit chemische Reaktionen, die nach einigen Wochen Noten von nasser Pappe, Sherry oder altem Brot erzeugen. Besonders hopfenbetonte Biere verlieren dann schnell ihren frischen Duft.
Moderne Füller saugen deshalb erst die Luft aus der leeren Flasche, spülen sie mit Kohlendioxid und füllen dann unter Gegendruck. Dabei herrscht in der Flasche derselbe Druck wie im Tank, sodass das Bier ruhig einläuft, ohne aufzuschäumen. Kurz vor dem Verschließen wird es oft leicht angeregt, damit Schaum die restliche Luft aus dem Flaschenhals verdrängt.
Fass: Keg, Holzfass und Cask Ale
Für Gaststätten kommt Bier meist im Keg, einem Edelstahlfass mit fest eingebautem Steigrohr. Es wird in der Brauerei gereinigt und gefüllt, in der Kneipe angeschlossen und mit Kohlendioxid oder einem Gasgemisch gezapft. Licht kommt nicht hinein, Luft auch nicht. Für Frische ist das Fass deshalb eine sehr gute Verpackung, wenn es zügig geleert wird.
Das Holzfass erlebt man vor allem bei Festen und in traditionellen Wirtshäusern. Heute ist es oft innen mit einer Schicht ausgekleidet oder es steckt ein Kunststoffeinsatz darin, damit Holz nicht auf das Bier abfärbt. Sein Reiz ist der Anstich und der Ausschank ohne zusätzlichen Gasdruck.
In Großbritannien hat das Cask Ale eine eigene Tradition. Das Bier kommt unfiltriert ins Fass, gärt dort nach und wird im Keller des Pubs fertig gereift. Gezapft wird es mit einer Handpumpe ohne zugesetztes Gas. Es hat deshalb wenig Kohlensäure und muss innerhalb weniger Tage getrunken werden.
Braune, grüne oder klare Flasche: Was ist der Unterschied?
Die Flasche ist in Deutschland das wichtigste Gebinde, häufig als Mehrwegflasche, die viele Male gespült und neu befüllt wird. Ihre Farbe ist mehr als Optik. Licht im blauen und ultravioletten Bereich zerlegt Bitterstoffe des Hopfens. Mit Hilfe des Vitamins Riboflavin entsteht dabei ein schwefliger Stoff, der an Stinktier oder Katzenurin erinnert. Brauer nennen das Lichtgeschmack.
Braunes Glas hält dieses Licht weitgehend ab. Grünes und klares Glas schützen deutlich schlechter. Manche Brauereien mit klaren Flaschen nutzen deshalb speziell behandelte Hopfenextrakte, die nicht lichtempfindlich reagieren. Auch hinter dem grünen Glas mancher Importbiere steckt eher Markentradition als Schutz.
Den heute üblichen Kronkorken ließ sich der Amerikaner William Painter 1892 patentieren. Der Bügelverschluss mit Gummidichtung ist älter und wird von einigen Brauereien als Markenzeichen weiter genutzt, auch weil er wiederverschließbar ist.
Bier in der Dose: besser als sein Ruf?
Die erste Bierdose kam am 24. Januar 1935 in Richmond im US-Bundesstaat Virginia in den Handel, gefüllt von der Gottfried Krueger Brewing Company. Das Problem früherer Versuche war der Druck der Kohlensäure und der Kontakt mit Metall. Eine Innenbeschichtung löste ihn. Heute trennt eine dünne Lackschicht Bier und Aluminium, ein metallischer Beigeschmack entsteht dadurch nicht.
Lange galt Dosenbier als billig. Fachlich hat die Dose aber Vorteile: Sie ist völlig lichtdicht, leicht und nimmt beim Verschließen sehr wenig Sauerstoff auf. Viele Craft-Brauereien füllen ihre hopfenbetonten IPAs deshalb gezielt in Dosen. Für die Umwelt zählt am Ende vor allem, ob ein Gebinde im Mehrweg- oder im Einwegkreislauf läuft und wie weit es transportiert wird.