
Glas und Nase
Verkosten
Drei Flaschen auf einem Tisch geben drei verschiedene Gespräche, wenn man Schladerer Schwarzwälder Williamsbirne, Schladerer Himbeergeist und ein Zibärtle nebeneinanderstellt. Das Zibärtle gibt es etwa bei Schladerer in Staufen und bei Scheibel in Kappelrodeck, beides sind Beispiele und keine Empfehlung.
Gut geeignet ist eine kleine Tulpe oder ein Nosing-Glas mit schmaler Öffnung, die den Duft bündelt. Ein dickwandiges Stamperl macht das nicht, und es lohnt sich, das Glas vor dem ersten Schluck unter die Nase zu halten, ohne es zu schwenken. Zu viel Alkoholdampf betäubt die Nase.
Kühl, aber nicht kalt ist die Temperatur, bei der die Brände am besten duften. Kälte unterdrückt die Aromen, Wärme macht sie breit und alkoholisch. Ein Schluck genügt, den man kurz im Mund lässt, bevor man schluckt.
Bei der Williamsbirne fällt zuerst die reife Frucht auf, danach kommt eine milde Süße. Beim Himbeergeist ist die Beere sofort da und klingt lange nach. Das Zibärtle braucht länger: erst herb und eng, dann öffnet es sich ins Mandelige und Würzige. Wer die drei im Wechsel probiert, merkt, wie unterschiedlich Birne, Beere und Wildpflaume schmecken.
Wer Brand verkostet, tut es zum Entdecken und nicht zum Trinken in Mengen, und mit Wasser dazwischen bleibt der Gaumen frisch. Notizen helfen: Was riecht nach Frucht, was nach Gewürz? Und was bleibt im Abgang? Zwischen den Proben ein Schluck Wasser und ein Stück Brot, so bleiben Zunge und Nase neutral.