
Nase vor Zunge
Verkosten
Ein Rossler, ein Obstler und ein Zwetschgenwasser vom selben Hof nebeneinander zu probieren, lehrt mehr als jeder Vortrag. Die drei zeigen, wie weit Brände auseinanderliegen können, obwohl alle aus demselben Tal kommen und im selben Keller geruht haben.
Welches Glas passt zu einem Obstbrand? Am besten ein Nosing-Glas oder eine kleine Tulpe, die sich nach oben verjüngt und die Aromen bündelt. Ein Stamper, wie er in manchen Wirtschaften steht, taugt dagegen wenig, weil die Nase kaum Zugang zum Brand findet. Das Glas steht aufrecht, wird nur zu einem Fingerbreit gefüllt und nicht in der Hand gewärmt.
Die Temperatur liegt bei etwa 16 bis 18 Grad, zimmerkühl, eher kühl als warm. Eiskalt serviert, verschließt sich ein Brand, und zu warm tritt der Alkohol zu stark hervor. An den Schnapsbrunnen am Wegrand bringt kaltes Quellwasser die Flaschen auf eine angenehme Temperatur, die der Verkostung entgegenkommt.
Erst mit Abstand riechen, dann näher kommen: Beim Rossler sucht die Nase nach Erde, Wurzel und einem Hauch Nuss, beim Obstler nach Apfel und Birne, beim Zwetschgenwasser nach Pflaume mit leichtem Mandelton. Danach ein kleiner Schluck, den man kurz im Mund lässt und dann langsam schluckt, dazu ein Schluck Wasser zum Neutralisieren.
Ein Zeichen für sauber gebrannte Ware ist ein klarer Geruch ohne Lösungsmittelnote und ein Abgang, der nicht kratzt. Schmeckt ein Obstbrand nach Kleber oder Nagellack, sind Vorlaufstoffe im Spiel. Einen Preis nennen wir bewusst nicht: Gute Hofbrände sind klein im Ausstoß und deshalb nicht überall zu bekommen.