
Ruhe vor Abfüllung
Reifung & Lagerung
Muss Tresterbrand lagern? Das Gesetz schreibt weder für Tresterbrand noch für Hefebrand eine Mindestreife vor, anders als beim Weinbrand, der mindestens ein Jahr in Eiche braucht. Frisch gebrannter Brand ist scharf und unruhig, deshalb ruht er trotzdem eine Weile, bevor er auf Trinkstärke gebracht und abgefüllt wird.
Üblich ist die Lagerung in neutralen Behältern wie Edelstahl, Glasballon oder Steingut. Dort verändert sich das Aroma kaum, der Brand wird aber runder, weil sich flüchtige Stoffe legen. Er bleibt glasklar, und genau das ist bei vielen Winzern das Ziel: Ein Riesling-Trester soll nach Traube schmecken und nicht nach Fass, und ein Weinhefebrand soll seinen hefigen Ton behalten.
Holz ist erlaubt. Im Fass nimmt der Brand Farbe und Vanille- oder Gewürztöne auf, und das Gesetz erlaubt bei Tresterbrand, die Farbe mit Zuckerkulör anzugleichen. Wer ein Altersdatum auf das Etikett schreibt, darf nur die Zeit des jüngsten Bestandteils nennen und muss die Reifung unter amtlicher Kontrolle durchgeführt haben.
Italien kennt für Grappa feste Stufen, nach denen „vecchia“ mindestens zwölf Monate in Holz bedeutet. Solche Altersstufen gibt es für Tresterbrand aus dem Moseltal nicht. Was „alt“ oder „Reserve“ auf einer Moselflasche heißt, sagt der Hersteller, nicht das Gesetz.
Dunkel und kühl lagern die Winzer ihre Brände, weil Licht und Wärme den Brand verändern. Für Hefebrand gilt dasselbe, auch wenn er mit seiner kräftigeren Art oft länger braucht, bis er sich beruhigt hat.