
Weißwein und Trester
Frucht & Rohstoff
Rheinhessen liegt als sanftes Hügelland zwischen Mainz, Bingen und Worms, die Pfalz zieht sich von den Haardtbergen an der Deutschen Weinstraße entlang bis zur französischen Grenze. Beide Landschaften leben vom Wein. Deshalb stehen hier statt Kirschwasser und Obstler der Weinbrand und der Tresterbrand im Mittelpunkt.
Der Rohstoff für Pfälzer Weinbrand ist Weißwein aus dem Anbaugebiet Pfalz. Die Spezifikation, die den Herkunftsschutz regelt, nennt als Beispiel für typische Rebsorten den Müller-Thurgau. Zum Brennen eignet sich nicht der Wein, der im Glas glänzen soll, sondern ein schlanker, säurebetonter Wein mit wenig Eigenaroma. Beim Destillieren wird alles konzentriert, auch die Säure, und ein breiter, schwerer Wein würde plump.
Daneben gibt es den Trester. So heißen Schalen, Kerne und Stiele, die nach dem Keltern der Trauben übrig bleiben. Winzer mit einer Abfindungsbrennerei machen daraus Tresterbrand, der in Italien Grappa und in Frankreich Marc heißt. Die Erlaubnis dazu bekommt nur, wer einen landwirtschaftlichen Betrieb mit mindestens 1,5 Hektar Weinbau oder Intensivobst hat.
Die Lese beginnt im Spätsommer und zieht sich bis in den Herbst. Wann die Trauben vom Stock kommen, entscheidet über den Charakter des Weins. Früh gelesene Trauben bringen mehr Säure, spät gelesene mehr Zucker und damit mehr Alkohol im Wein. Für den Weinbrenner zählt die Säure, für den Winzer, der seinen Wein im Glas verkauft, oft die Fülle. Beides wächst in denselben Hügeln, und so findet jeder Brand seine Lese.