
Klar und fruchtig
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Ein Kirsch d'Alsace oder Kirsch de Fougerolles riecht zuerst nach Kirsche, dann nach dem Stein: ein Hauch Bittermandel, trocken und ohne Süße. Das Pflichtenheft verlangt, dass Geruch und Geschmack an Kirsche mit einer Steinobstnote erinnern. Ein sauberer Brand sticht nicht in der Nase.
Die Mirabelle de Lorraine duftet nach reifen gelben Pflaumen, mit fruchtigen, eher weichen Tönen und ohne ätherische Schärfe. Im Mund wirkt sie klar und ohne zu viel Säure. Der Marc d'Alsace Gewurztraminer ist blumig, fruchtig und am Gaumen würzig, der Duft der Rebsorte bleibt im Brand erhalten.
Zum Vergleichen eignen sich Häuser, die Fruchtbrände seit Jahrzehnten abfüllen: Die Mirabelle und die wilde Himbeere der Linie Grande Réserve der Distillerie Miclo aus Lapoutroie, dazu die Brände der Distillerie Metté aus Ribeauvillé. Beide Häuser stehen für die Eaux-de-vie der Vogesentäler.
Ein Nosing-Glas oder ein kleines Tulpenglas, das sich nach oben verjüngt, sammelt die Aromen; ein breites Becherglas lässt sie schneller verfliegen. Eingeschenkt wird nur ein kleiner Schluck. Mit mindestens 45 Prozent liegen diese Brände deutlich über dem EU-Minimum von 37,5 Prozent, deshalb riecht man zuerst und trinkt langsam.
Wer mehrere Brände nebeneinander probiert, beginnt mit dem leichtesten und endet mit dem kräftigsten: erst die Mirabelle, dann die Kirsche, zuletzt der würzige Marc. Zwischen den Gläsern hilft ein Schluck Wasser, damit die Nase frisch bleibt. Mehr als ein, zwei Zentimeter pro Glas braucht niemand.
In Fougerolles gibt es dazu einen eigenen Brauch: Man gießt ein paar Tropfen in die Handmulde, atmet den Duft ein und trinkt den Rest. Die Wärme der Haut weckt nach der Überlieferung die Aromen, so erzählt man es dort.