
Apfel mit Charakter
Brandstil
Calvados Pays d'Auge schmeckt oft würziger und vielschichtiger als ein einfacher Calvados AOC, und das liegt an der doppelten Brennblase. Sie lässt mehr Begleitstoffe im Brand als die Kolonne, die einen leichteren, glatteren Stil liefert.
Die Leitlinie des Pays d'Auge ist der Apfelbrand mit einem Hauch Birne. Weil der Birnenanteil bei höchstens 30 Prozent bleibt, dominiert die Apfelfrucht: gebackener Apfel, Quitte, dazu Gewürz und Vanille aus dem Fass, im Hintergrund eine feine Herbheit vom Gerbstoff der Mostäpfel.
Der Stil hängt zusätzlich an der Altersstufe. Junge Calvados sind frisch, apfelig und lebhaft, länger gelagerte werden runder und bekommen Noten von Nuss, Trockenfrucht, Leder und Gewürzen. Sehr alte Brände wirken ruhiger, tiefer und holziger und behalten den Apfel trotzdem im Kern.
Calvados ist trocken, auch wenn er süß wirkt. Der Eindruck von Süße stammt von der Frucht und vom Holz, nicht von zugesetztem Zucker. Die Farbe reicht von hellem Gold bis zu dunklem Bernstein, je nach Fass und Alter, und ein kleiner Teil darf mit Zuckerkulör angepasst werden.
Hausstile entstehen durch Sortenmischung, Fassalter und Verschnitt. Boulard, Christian Drouin, Roger Groult und Père Magloire arbeiten alle in derselben Appellation und schmecken doch erkennbar verschieden, weil jedes Haus Cidre, Fass und Verschnitt anders wählt.
Und der Pommeau? Pommeau de Normandie ist kein Brand und kein junger Calvados, sondern Apfelmost, der mit Calvados aufgespritet und im Fass gereift wird. Er zählt in der EU zu den sonstigen Spirituosen und steht als Aperitif neben dem Calvados.
Calvados Pays d'AugeApfel- und Birnenbrand · Mostäpfel, höchstens 30 % Mostbirnen
- Alkohol
- 40–45 % vol
- Reife
- 2–20 Jahre
Gold bis Bernstein, gebackener Apfel, Gewürz und Vanille; würziger als Kolonnenbrand.