
Klar bleibt klar
Reifung & Lagerung
Eine Mindestreifezeit gibt es für Tresterbrand im EU-Recht nicht. Bei der Tsikoudia of Crete kommt hinzu, dass das technische Dossier den Brand als farblos und klar beschreibt. Holzlagerung, die einen Brand gelb oder bernsteinfarben färbt, passt daher nicht zum Bild der geschützten Spirituose.
Was nach dem Brennen passiert, ist trotzdem wichtig. Der frische Brand wirkt oft scharf und unruhig, weil sich Alkohol und Aromastoffe noch nicht verbunden haben. Man lässt ihn daher einige Zeit in neutralen Gefäßen aus Edelstahl oder Glas ruhen, bis die Kanten weicher werden.
Licht und Wärme sind hier Gegner, nicht Hilfen. Ein Brand, der in der prallen Sonne steht, verliert Frische, und durchsichtiges Glas bleibt am besten im Schatten. Verschlossene Gebinde verhindern außerdem, dass der Alkohol verdunstet und die Stärke unter die gesetzliche Grenze von 37,5 Prozent fällt.
Ein Teil der Kreter verlängert die Tsikoudia direkt zu Hause. Die bekannteste Abwandlung ist Rakomelo: Raki mit Honig und Gewürzen, oft mit Zimt und Nelken, im Winter gern warm serviert. Das ist keine Reifung im strengen Sinn, aber der Brand bekommt dadurch eine Rundung, die die reine Tsikoudia nicht hat.
Für Gäste von der Insel zählt am Ende die Frische. Die Tsikoudia wird nicht gelagert, um besser zu werden, sondern um sauber, klar und trinkfertig zu bleiben. Wer sie mit nach Hause bringt, stellt sie dunkel und kühl, ohne Eile, und bewahrt so, was die Kazani hineingelegt hat.