
Nase vor Zunge
Verkosten
Ein Nosing-Glas oder ein schmales Tulpenglas mit kurzem Stiel zeigt eine Grappa friulana am besten, weil sich die Aromen unter der Öffnung sammeln. Das Glas wird nur knapp gefüllt, erst lange gerochen und dann in kleinen Schlucken probiert. Dazu gehört ein Schluck Wasser, der den Gaumen zwischen den Bränden frisch hält. Eine Temperatur um 16 bis 18 Grad ist üblich: Zu kalt verschließt das Aroma, zu warm lässt den Alkohol stechen.
Typisch für eine Grappa friulana ist ein klarer, trockener Auftritt mit Traubenschale, Blüte und einer leichten Bitternote vom Kern, im Abgang bleibt Wärme. Je jünger der Brand, desto frischer und schärfer wirkt er, mit Holzreife wird er weicher und bekommt Vanille und Gewürz. Wer mehrere Brände hintereinander probiert, beginnt mit den jungen, klaren und geht erst danach zu den gereiften, damit die kräftigeren die feinen nicht überdecken.
Zum Vergleichen taugt das Programm von Nonino aus Percoto. Die Grappa Tradizione steht für die Mischung der Sorten, ein Cru Monovitigno aus Pignolo oder Schioppettino zeigt, wie anders Trester einer roten Rebe duftet. Der Cru Monovitigno Picolit Riserva und die Antica Cuvée Riserva stehen für die gereifte Seite.
Bei Obstbränden zählt die Frucht. Ein Williams friulano soll nach reifer Birne duften, nicht nach Alkohol. Beim Kirsch Friulano gehört ein Hauch Bittermandel dazu, beim Sliwovitz eine trockene Pflaumennote. Bei allen dreien sollte die Frucht vor dem Alkohol kommen.
Auch Fehler lassen sich riechen. Ein Hauch von Klebstoff oder Nagellackentferner deutet auf zu viel Vorlauf, ein fettiger, fuseliger Ton auf zu viel Nachlauf, und Essig auf eine verdorbene Maische. Zum Beurteilen reicht ein kleiner Schluck, wichtiger ist die Nase.