
Glas und Nase
Verkosten
Wie schmeckt Wachauer Marillenbrand? Nach reifer Marille, aber nicht nach Marmelade: trocken, mit einer feinen Würze, dazu ein Hauch von Mandel, der vom Kern kommt. Der Eindruck ist weich und rund, und er hält im Abgang eine Weile an.
Ein Nosing-Glas oder eine kleine Tulpe bringt das Aroma zusammen, ein breiter Becher lässt es entweichen. Eingeschenkt wird wenig, ein Fingerbreit reicht, und die Temperatur liegt am besten bei Zimmerwärme, höchstens leicht gekühlt. Erst an der Nase riechen, dann einen kleinen Schluck nehmen und warten, was im Mund passiert.
Als Beispiele eignen sich die Marillenbrände der Domäne Wachau, die ihren Marillenbrand nach Angaben des Hauses als fruchtig und mild beschreibt, und der Kremser Brennerei Bailoni. Daneben füllen viele kleine Winzer- und Obstbetriebe in Dürnstein, Spitz und Weißenkirchen ihre eigenen Brände ab, die sich von Haus zu Haus in der Fülle unterscheiden.
Wer Brand und Likör nebeneinander probiert, merkt die Unterschiede sofort. Der Wachauer Marillenlikör ist süß, dickflüssig und deutlich weniger scharf, der Brand dagegen trocken und präzise. Der eine liegt wie ein Dessert im Glas, der andere wie ein Duft.
Beim Wachauer Weinbrand ändert sich das Bild vollständig: Er ist bernsteinfarben, riecht nach Eichenholz, getrockneten Früchten und Gewürzen und braucht mehr Zeit im Glas. Das gilt besonders bei den lange gereiften Abfüllungen der Domäne Wachau. Für beide gilt dieselbe Regel wie bei allen Bränden: wenig, langsam, mit Wasser daneben.