
Duft vor Schluck
Verkosten
Ein Williams will gerochen werden, bevor er getrunken wird. Dafür eignet sich ein Nosing-Glas oder eine Tulpe, ein Glas mit schlankem Kelch, der sich nach oben verengt und die Aromen sammelt. In einem breiten Wasserglas verfliegen sie, noch ehe sie die Nase erreichen.
Zur Temperatur: Obstbrände schmecken bei kühler Zimmertemperatur am besten, etwa bei 16 bis 18 Grad. Ist das Glas zu kalt, verschließt sich der Duft, ist es zu warm, sticht der Alkohol. Man hält das Glas kurz am Kelch, schwenkt es vorsichtig und riecht zuerst am Rand, ohne tief einzuatmen.
Zwei Häuser aus Tramin bieten sich als Beispiele an. Roner führt unter anderem einen Grappa Lagrein Riserva, Psenner einen Lagrein-Grappa Monovitigno, was bedeutet, dass er aus der Traube einer einzigen Sorte gebrannt wird. Daneben stehen bei beiden Häusern Obstbrände im Sortiment, darunter Birnen- und Apfelbrände.
Beim Williams kommt zuerst reife Birne, dann eine leise Süße, im Abgang wird er trocken. Der Golden Delicious zeigt Apfel, mild und rund, der Gravensteiner dagegen mehr Frische und Schale. Der Lagrein-Grappa bringt dunkle Beeren, einen Hauch Kakao und eine leicht herbe Note von den Schalen, im Holz dazu Vanille.
Wer die Brände vergleicht, stellt die Gläser nebeneinander auf einen Holztisch, legt ein Stück Brot und ein Glas Wasser dazu und neutralisiert den Gaumen zwischen den Proben. Ein kleiner Schluck genügt, um den Unterschied zwischen Birne, Apfel und Trester zu erkennen. Mehr braucht es dazu nicht.