
Marille, Zwetschge, Enzian
Frucht & Rohstoff
Im Vinschgau reift die Marille zwischen 700 und 1.200 Metern auf sandigen Böden. Viel Sonne, wenig Regen und kühle Nächte geben der Frucht nach Angaben von Südtirol Marketing ihr kräftiges Aroma. Angebaut wird sie dort seit dem neunzehnten Jahrhundert, im Tal zwischen Naturns und Mals.
Marillen sind heikle Früchte. Für den Brand müssen sie ganz reif sein, weich und voller Zucker, und gerade dann halten sie nicht lange. Ein später Frost zur Blüte kann die Ernte fast ganz nehmen; Zeitungen meldeten in Südtirol schon Jahre mit vielen Kirschen und kaum Marillen. Deshalb schwankt auch die Menge an Marillenbrand von Jahr zu Jahr. Faule Stellen gäben dem Brand fremde Töne, darum wird vor dem Einmaischen sortiert.
Zwetschgen und Kirschen gehören ebenfalls zu den Südtiroler Obstbäumen. Aus ihnen entstehen Südtiroler Zwetschgeler und Südtiroler Kirsch. Beide sind Steinobst, und wie bei der Marille sitzt im Inneren ein Kern, dessen feine Mandelnote später im Brand wiederkehren kann.
Auch das Eisacktal um Brixen und Klausen liefert Rohstoff. Dort stehen Obstbäume und Reben an den Sonnenhängen, und die Brennerei Knöspele oberhalb von Brixen verarbeitet Obst und Trauben von diesen Hängen. Der Vinschgau steht für die Marille, das Eisacktal für die Mischung aus Obst und Rebe.
Der Enzian wächst in einer anderen Höhe. Für den Südtiroler Enzian werden Wurzeln des Gelben Enzians ausgegraben, einer hohen Pflanze der Almwiesen mit gelben Blüten; in Tirol dient auch der Tüpfelenzian als Rohstoff. Quellen aus Tirol rechnen mit 60 bis 70 Wurzelstöcken für einen Liter Brand, geerntet wird im Herbst. Wer Enzianbitter oder einen Bitterlikör kennt, hat den Geschmack dieser Wurzel schon im Glas gehabt.