Gustofolio
WissensweltManufakturen
ErfassenSammlungGeschmackGenießenTeilen
Roadmap
WissensweltManufakturenErfassenSammlungGeschmackGenießenTeilenBeta-RoadmapKonto erstellen
AnmeldenKonto erstellen
GetränkelexikonLexikonWissensreiseReisenThemenweltenThemenAlle ArtikelArtikelCocktailrezepteCocktails
  1. Alle Reisen
  2. ›
  3. Brand-Reise
  4. ›
  5. Calvados & Apfelbrände
  6. ›
  7. Kapitel 8 von 10
Applejack und Cider Brandy: Apfelbrände aus Amerika, England und Spanien

Apfelbrand weltweit

Applejack und Cider Brandy: Apfelbrände aus Amerika, England und Spanien

Applejack ist ein amerikanischer Apfelbrand, eng verbunden mit der Familie Laird aus New Jersey, deren Brennerei die Lizenz Nummer 1 des US-Schatzamts von 1780 führt. Heute meint der Name meist eine Mischung aus Apfelbrand und neutralem Alkohol. Verwandte Brände aus Cidre gibt es in England und Asturien.

Woher kommt Applejack?

Im kolonialen Nordamerika wuchsen Äpfel leichter als Getreide für Bier oder Reben für Wein. Cider wurde zum Alltagsgetränk, und wo es Cider gab, wurde bald auch gebrannt. Besonders eng ist der Apfelbrand mit New Jersey verbunden. Die Familie Laird führt ihre Geschichte auf William Laird zurück, der aus der schottischen Grafschaft Fife kam und sich ab 1698 im Monmouth County niederließ. Was er dort genau brannte, überliefert die Familiengeschichte, Urkunden dazu kennen wir nicht.

Belegter ist das Jahr 1780. Laird & Company führt die Lizenz Nummer 1 des US-Schatzamts und gilt damit als älteste lizenzierte Brennerei der Vereinigten Staaten. Heute sitzt das Unternehmen in Scobeyville, New Jersey, und ist in der neunten beziehungsweise zehnten Generation in Familienhand. Applejack wurde dort zum Synonym für amerikanischen Apfelbrand, so wie Calvados in Frankreich für den Brand aus Cidre steht.

Was heißt „jacking“? Ausfrieren statt Brennen

Der Name erzählt eine zweite Geschichte. Auf Farmen ließ man früher Fässer mit Cider im Winter draußen stehen. Wasser gefriert früher als Alkohol, also bildete sich Eis, das man entfernte. Zurück blieb ein stärkerer, konzentrierter Rest. Dieses Ausfrieren nannte man „jacking“, und so soll der Applejack zu seinem Namen gekommen sein. Es war die Methode für Haushalte ohne Brennblase, ein Stück Selbstversorgung im harten Winter.

Mit einem Brand im heutigen Sinn hat das wenig zu tun. Beim Brennen lässt sich der Vorlauf mit unerwünschten Stoffen abtrennen, beim Ausfrieren bleibt alles im Konzentrat, auch Methanol und Fuselöle. Nach EU-Recht entsteht ein Brand nur durch Destillation, ausgefrorener Cider wäre also kein Apfelbrand. Professionelle Hersteller brennen Applejack deshalb seit Langem in Brennblasen oder Kolonnen. Das Ausfrieren gehört in die Geschichte, nicht in die Flasche aus dem Laden.

Blended Applejack und Apple Brandy: was heute in der Flasche ist

Im 20. Jahrhundert änderte sich der Markt. Ende der 1960er-Jahre beantragte die Familie Laird eine eigene Produktdefinition, die 1972 in Kraft trat. Seitdem ist „Blended Applejack“ in den USA eine Mischung aus mindestens 20 % Apfelbrand und neutralem Alkohol aus Getreide. Nach Firmenangaben enthält Lairds Blended Applejack 35 % Apfelbrand. Das Ergebnis schmeckt leichter und weniger nach Frucht. Daneben verkauft das Haus reine Apple Brandys, die wie ein Calvados nur aus Apfel stammen.

Für europäische Leser ist der Unterschied wichtig. Eine Mischung mit neutralem Alkohol wäre in der EU kein Brand aus Apfelwein und kein Obstbrand, denn beide Kategorien verbieten zugesetzten Alkohol. Ein Straight Apple Brandy dagegen kommt dem Calvados nahe, auch wenn ihm die Regeln einer Appellation fehlen. In Bars ist Applejack vor allem aus dem Jack Rose bekannt, einem Klassiker mit Grenadine und Zitrussaft.

Cider Brandy aus Somerset und Aguardiente aus Asturien

In England hat die Grafschaft Somerset eine lange Cider-Tradition. Der „Somerset Cider Brandy“ ist eine geschützte geografische Angabe und gehört wie Calvados zur EU-Kategorie 10, Brand aus Apfelwein. Laut Produktspezifikation reift er mindestens drei Jahre in Eichenfässern. Bekanntester Hersteller ist die Somerset Cider Brandy Company in Burrow Hill bei Martock, die ihre Äpfel auf eigenen Obstwiesen mit vielen Sorten anbaut.

Nordspanien bietet ein weiteres Beispiel. In Asturien wird viel Sidra getrunken, ein herber Apfelwein, der traditionell aus großer Höhe ins Glas gegossen wird. Daraus brennt man den „Aguardiente de sidra de Asturias“, seit 1989 im EU-Register. Das Destillat verlässt die Brennanlage mit höchstens 72 % vol. Die junge Variante ruht mindestens ein Jahr in Edelstahl oder Glas und bleibt farblos, gereifte Versionen liegen im Eichenfass und werden bernsteinfarben.

Kurz unterschieden

Applejack
US-Apfelbrand; als Blended Applejack mindestens 20 % Apfelbrand plus neutraler Getreidealkohol.
Apple Brandy (USA)
Reiner amerikanischer Apfelbrand ohne Neutralalkohol, oft im Holz gereift.
Somerset Cider Brandy
Englischer Brand aus Cider mit geschützter Herkunft, mindestens drei Jahre Eiche.
Calvados
Normannischer Brand aus Cidre und Poiré, AOC, mindestens zwei Jahre Eiche.

Dazu im Lexikon

Cocktails im Gleichgewicht: süß, sauer, starkCalvados im LexikonFassreifung, auch jenseits des Whiskys
ZurückPoiré und Birnenbrand: die Birne in der Normandie und anderswoWeiterApfelbrand aus Deutschland, Österreich und Südtirol

Bilder mit KI erstellt · Texte KI-gestützt, redaktionell geprüft