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Pisco: Gehört der Name Peru oder Chile?

Ein Name, zwei Länder

Pisco: Gehört der Name Peru oder Chile?

Pisco ist ein Traubenbrand aus Südamerika, den Peru und Chile beide als Ursprungsbezeichnung führen. Peru verweist auf den Hafen Pisco an seiner Südküste, Chile auf eine eigene Brenntradition. Viele Märkte lassen beide zu, wenn der Ursprung auf dem Etikett steht.

Woher kommt der Name Pisco?

Die Spanier brachten im 16. Jahrhundert Weinreben an die Westküste Südamerikas, und aus dem Wein wurde bald auch Branntwein gebrannt. An der Südküste des heutigen Peru liegt die Stadt Pisco, benannt nach dem Tal, in dem sie liegt. Ihr Hafen war in der Kolonialzeit ein wichtiger Umschlagplatz für das Destillat, das so seinen Namen erhalten haben soll. Seeleute trugen es von dort in andere Häfen.

Auf diese Herkunft stützt Peru seinen Anspruch. Chile verweist darauf, dass auch in seinen nördlichen Tälern seit langer Zeit Traubenbrand unter diesem Namen hergestellt wird. Wer historisch recht hat, ist bis heute ein politischer Streit. Für die Einordnung im Glas ist wichtiger, dass beide Länder unterschiedliche Regeln aufgestellt haben.

Chronik eines Namensstreits

Den ersten gesetzlichen Schutz schuf Chile: 1931 erhielt der chilenische Pisco eine Ursprungsbezeichnung. 1936 wurde das Dorf La Unión im Elqui-Tal in Pisco Elqui umbenannt, was in Peru als Zeichen für den chilenischen Anspruch verstanden wird. Peru schützte Pisco 1991 als Ursprungsbezeichnung. Diese drei Daten stammen aus Branchen- und Reisemedien und sind hier nicht amtlich geprüft.

In der EU ist der peruanische Pisco seit dem 27. Juli 2009 als geografische Angabe eingetragen. Der chilenische Pisco hat im EU-Register keinen eigenen Eintrag; für ihn gelten gesonderte Regeln aus dem Handelsabkommen zwischen der EU und Chile. In vielen Ländern stehen beide nebeneinander im Regal, gekennzeichnet etwa als „Pisco – Perú“ oder „Pisco chileno“.

Bemerkenswert ist, wo das EU-Register den peruanischen Pisco einordnet: unter Kategorie 9, bei den Obstbränden, und nicht bei den Weindestillaten wie Cognac oder Armagnac. Für Käufer ändert das wenig, es zeigt aber, wie schwer sich ein Brand aus der Neuen Welt in europäische Schubladen fügt. Ein Urteil darüber, wem der Name zusteht, fällt das Register nicht; es verzeichnet nur, was beantragt und eingetragen wurde.

Unterschied zwischen peruanischem und chilenischem Pisco

Die Unterschiede sind mehr als Politik. Nach der peruanischen Norm NTP 211.001 entsteht Pisco nur aus frisch vergorenem Most bestimmter Rebsorten, der „uvas pisqueras“, und nur in fünf Regionen: Lima, Ica, Arequipa, Moquegua und Tacna. Er wird in einem Durchgang direkt auf Trinkstärke gebrannt, nach den verfügbaren Angaben ohne Wasser zu verdünnen, und ruht mindestens drei Monate in Glas, Edelstahl oder Ton, nie in Holz. Erlaubt sind 38 bis 48 % vol.

Chile lässt mehr Spielraum. Seine Ursprungsbezeichnung umfasst die Regionen Atacama und Coquimbo. Wasser darf zum Herabsetzen verwendet werden, und Holzreifung ist erlaubt, weshalb manche Klassen Farbe vom Fass tragen. Die Alkoholgehalte reichen nach Branchenangaben von 30 bis 50 % vol. Ein chilenischer und ein peruanischer Pisco können sich deshalb deutlich unterscheiden, obwohl beide aus Trauben gebrannt sind.

Ob Holz oder kein Holz, ist dabei mehr als eine technische Frage. Ein Brand ohne Fass zeigt unverstellt, was Traube und Gärung mitgeben; ein Brand mit Fass gewinnt Farbe, Gerbstoffe und Noten von Vanille oder Röstung. Die peruanische Regel setzt auf das Erste, die chilenische lässt beides zu.

Pisco, Singani, Grappa: was sie trennt

Pisco wird aus vergorenem Traubenmost gebrannt, nicht aus Trester. Damit steht er dem Weindestillat näher als dem Grappa, der aus den Pressrückständen der Trauben entsteht. Weil der peruanische Pisco nicht im Holz reift, fehlen ihm die Vanille- und Holztöne eines Weinbrands; im Vordergrund steht die Traube, bei aromatischen Rebsorten oft mit blumigem Duft.

Im Nachbarland Bolivien gibt es einen weiteren Traubenbrand mit eigener Herkunftsbezeichnung, den Singani. Er wird aus Muskat von Alexandrien gebrannt, von Rebflächen in mindestens 1 600 Metern Höhe, mit Zentrum in Tarija. Singani ist kein Pisco, auch wenn beide oft in einem Atemzug genannt werden. Außerhalb Südamerikas kennen viele Pisco vor allem aus dem Pisco Sour, einem Cocktail aus Pisco, Limette, Zucker und Eiweiß.

Kurz unterschieden

Pisco aus Peru
Aus frisch vergorenem Most, fünf Regionen, kein Holz, 38 bis 48 % vol; in der EU seit 2009 als geografische Angabe eingetragen.
Pisco aus Chile
Regionen Atacama und Coquimbo; Holzreifung und Wasserzusatz erlaubt, breitere Spanne beim Alkoholgehalt.
Singani
Bolivianischer Traubenbrand aus Muskat von Alexandrien, Reben auf mindestens 1 600 m; eigene Herkunftsbezeichnung.
Grappa
Italienischer Tresterbrand aus den Pressrückständen der Trauben, nicht aus Most; im Verfahren kein Pisco-Verwandter.

Dazu im Lexikon

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