
Kaukasus und Sowjetzeit
Armenischer Brandy: Warum hieß er Cognac?
Armenischer Brandy hieß lange „Cognac“, weil das Wort im Zarenreich und in der Sowjetunion allgemein für Weinbrand stand. Mit dem Abkommen zwischen der EU und Armenien endet das: Neue Chargen dürfen ab 2032 nicht mehr so heißen, ganz aufgegeben wird der Name bis 2043.
Tiflis 1884: David Sarajishvili und der georgische Brandy
Der Südkaukasus ist ein altes Weinland, und dort entstanden im späten 19. Jahrhundert die ersten Brandy-Betriebe des Zarenreichs mit großem Namen. Am 1. September 1884 gründete David Sarajishvili in Tiflis, dem heutigen Tbilissi, sein Unternehmen. Nach der Firmengeschichte reiften die Destillate in Fässern aus kaukasischer Bergeiche, und der Brandy wurde in viele Städte des Reichs geliefert, von St. Petersburg bis Odessa.
Auf dem Etikett stand damals, wie es verbreitet war, Cognac. Heute heißt das Erzeugnis Brandy. Georgien kennt daneben einen ganz anderen Brand, den Chacha. Er wird aus Traubentrester gebrannt und wurde am 13. Dezember 2011 als erste georgische Herkunftsangabe registriert. Ein Chacha ist also ein Tresterbrand und mit dem fassgereiften Brandy nur über die Traube verwandt.
Jerewan 1887: von Tairov über Schustow zu Ararat
In Jerewan begann die industrielle Herstellung von Brandy 1887. Nach Darstellung von Firmen- und Lexikonquellen gründete Nerses Tairov den Betrieb auf dem Gelände der früheren Festung von Eriwan. 1899 übernahm Nikolai Schustow die Brennerei, zunächst als Pächter, und kaufte sie wenig später. Diese Einzelheiten stammen aus Sekundärquellen und sind hier nicht amtlich geprüft.
Unter Schustow wurde der armenische Brandy im Zarenreich bekannt. Nach der Gründung der Sowjetrepublik Armenien wurde die Herstellung verstaatlicht. Seit 1940, so die gängige Darstellung, trägt der Brandy den Namen Ararat, nach dem Berg, der von Jerewan aus zu sehen ist und heute auf türkischem Gebiet liegt. Die Yerevan Brandy Company mit der Marke Ararat gehört heute zum französischen Konzern Pernod Ricard.
Warum Konjak in der Sowjetunion ein Gattungswort war
Im Russischen bezeichnet „konjak“ bis heute umgangssprachlich jeden Weinbrand. In der Sowjetunion wurde Weinbrand in mehreren Republiken hergestellt und unter diesem Namen verkauft. Französische Herkunftsregeln galten dort nicht, und der Name wurde zur Gattung, so wie im Deutschen vor 1919 der deutsche Cognac.
Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 trafen diese Namen auf den Weltmarkt. In der EU ist Cognac ein geschützter Herkunftsname, im Register als Weindestillat aus der Charente geführt. Ein armenischer Brandy mit der Aufschrift Cognac ließ sich dort also nicht verkaufen, wohl aber in vielen Ländern der früheren Sowjetunion, wo er seine wichtigsten Käufer hatte. So entstand ein Konflikt zwischen alter Gewohnheit und neuem Recht.
EU-Abkommen: Armenien gibt den Namen Cognac auf
Die Lösung kam mit dem Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und Armenien, unterzeichnet 2017 und in Kraft seit März 2021. Darin verpflichtet sich Armenien, den Namen Cognac für seinen Brandy aufzugeben. Neue Chargen dürfen ab 2032 nicht mehr so bezeichnet werden, vollständig muss der Name bis 2043 verschwinden. Die EU stellt für die Umbenennung 3 Millionen Euro bereit.
Die langen Fristen haben einen praktischen Hintergrund, der nahe liegt. Brandy reift oft viele Jahre im Fass, und was heute gebrannt wird, kommt womöglich erst in einem Jahrzehnt in die Flasche. Betriebe brauchen Zeit, Etiketten, Marken und Verträge umzustellen, und Kunden in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion müssen einen neuen Namen kennenlernen. Die Übergangszeit bis 2043 ist deshalb großzügig bemessen.
Richtig ist also armenischer Brandy oder Weinbrand aus Armenien. Ein „armenischer Cognac“ ist höchstens noch ein historischer Ausdruck aus der Sowjetzeit. Ein Qualitätsurteil steckt in dieser Umbenennung nicht. Sie sagt nur, dass der Name Cognac der Charente gehört, so wie es Frankreich seit 1909 Schritt für Schritt durchgesetzt hat, gegenüber Deutschland 1919, gegenüber Griechenland mit Metaxa und nun gegenüber Armenien.
Wer armenischen oder georgischen Brandy probiert, sollte ihn deshalb nicht als Ersatz-Cognac verstehen. Er stammt aus anderen Weinbergen, oft aus anderen Rebsorten und reift in anderen Hölzern. Ein Cognac dagegen verspricht auf jedem Etikett dasselbe Grundgerüst: Wein aus der Charente, zweifach im Charentaiser Kessel gebrannt, mindestens zwei Jahre in Eiche. Der Vergleich zeigt Unterschiede, keinen Rang.