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Gibt Obstler mehr Kopfschmerzen als Wodka? Kater und Begleitstoffe

Kater und Begleitstoffe

Gibt Obstler mehr Kopfschmerzen als Wodka? Kater und Begleitstoffe

Ob Obstler stärkere Kopfschmerzen macht als Wodka, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Sicher ist: Den Kater bestimmt vor allem die Menge Alkohol. Begleitstoffe wie Methanol und Fuselöle gelten als mögliche Verstärker, ein direkter Vergleich mit Obstbrand fehlt aber.

Was einen Kater auslöst: zuerst die Alkoholmenge

Am Morgen nach einem langen Abend hat fast jeder eine Erklärung parat. Es lag am billigen Wein, am Obstler zum Schluss, an der Mischung. Die Forschung zum Kater, Fachleute sagen Hangover, zeichnet ein nüchterneres Bild. Der wichtigste Faktor ist die Gesamtmenge Alkohol, die der Körper abbauen muss.

Beim Abbau entsteht Acetaldehyd, ein Zwischenprodukt, das Übelkeit und Kopfschmerz fördert. Alkohol stört außerdem den Schlaf, treibt Wasser aus dem Körper und kann Entzündungsreaktionen anstoßen. Diese Vorgänge laufen bei Obstbrand, Wodka, Bier und Wein gleich ab. Wie stark der Kater ausfällt, hängt deshalb zuerst davon ab, wie viel getrunken wurde, und erst danach davon, was im Glas war.

Begleitstoffe im Verdacht: Methanol, Fuselöle, Aldehyde

Neben Ethanol, dem Trinkalkohol, enthalten Getränke viele Begleitstoffe, im Englischen Congeners genannt. Dazu zählen Methanol, Fuselöle, also höhere Alkohole mit schwerem Geruch, sowie Aldehyde und Ester. Sie tragen viel zum Aroma bei. Wodka wird so neutral wie möglich hergestellt und enthält wenig davon. Ein Obstbrand dagegen behält sie zum Teil bewusst, denn er soll nach Frucht schmecken.

Eine bekannte Studie aus den USA hat den Einfluss solcher Begleitstoffe untersucht. Das Team um die Psychologin Damaris Rohsenow verglich 2010 in der Fachzeitschrift Alcoholism: Clinical and Experimental Research Bourbon mit Wodka. Die Teilnehmer bewerteten den Kater nach Bourbon, der weit mehr Begleitstoffe enthält, als schlimmer. Bei Tests zu Aufmerksamkeit und Reaktion schnitten sie am nächsten Morgen nach beiden Getränken gleich schlecht ab.

Methanol und Kater: eine Hypothese, kein Beweis

Bei Obstbrand richtet sich der Verdacht oft auf das Methanol. Die Idee dahinter: Der Körper baut Methanol vor allem dann ab, wenn kaum noch Ethanol im Blut ist, und dabei entstehen giftigere Abbauprodukte. Das würde erklären, warum der Kater am nächsten Morgen am stärksten ist. In der Kater-Forschung wird diese Erklärung diskutiert. Belegt ist sie nicht, und für Obstler gegenüber Wodka gibt es keinen direkten Vergleich.

Dass Obstbrand mehr Methanol enthält als Wodka, steht außer Frage, denn das bringt schon der Rohstoff mit. Die EU erlaubt bei Obstbrand je nach Frucht bis zu 1 350 Gramm je Hektoliter reinen Alkohols, ein neutraler Wodka enthält davon kaum etwas. Daraus folgt aber nicht automatisch ein schlimmerer Kater. Ein sorgfältig gebrannter Obstbrand kann deutlich unter der Grenze liegen, und wie stark einzelne Begleitstoffe in üblichen Mengen im Körper wirken, ist nicht geklärt. Wer am nächsten Tag Kopfschmerzen hat, sollte deshalb zuerst auf die Zahl der Gläser schauen.

Aus derselben Hypothese stammt die Stammtischweisheit vom Konterbier am Morgen. Neuer Alkohol würde den Methanolabbau zwar hinausschieben, doch er beendet den Kater nicht, sondern verlängert die Belastung für Leber und Kreislauf. Ein Kater ist ein Signal des Körpers, dass er an seine Grenze gekommen ist. Mit einem Trick lässt er sich nicht wegzaubern, nur mit Zeit, Wasser und Schlaf überstehen.

Bier auf Wein, Schnaps zum Schluss: Zählt die Reihenfolge?

Bier auf Wein, das lass sein, sagt ein Sprichwort, und viele schieben den Kater auf das Durcheinander. Forscher der Universität Witten/Herdecke und der Universität Cambridge haben das 2019 im American Journal of Clinical Nutrition überprüft. Neunzig Freiwillige tranken Bier und Wein in unterschiedlicher Reihenfolge, eine Vergleichsgruppe nur eines von beiden. Eine Woche später wurde getauscht.

Die Reihenfolge machte für den Kater keinen nennenswerten Unterschied. Am deutlichsten hing er damit zusammen, wie betrunken sich die Teilnehmer gefühlt hatten und ob sie sich übergeben mussten. Das Durcheinander ist also nicht das eigentliche Problem, sondern die Menge, die am Ende zusammenkommt. Für Obstbrand heißt das: Nicht die Sorte im Glas entscheidet über den Morgen danach, sondern wie viele Gläser es waren.

Kurz unterschieden

Obstler
Obstbrand mit mindestens 85 % Äpfeln und/oder Birnen; behält Aromastoffe und etwas Methanol aus der Frucht.
Wodka
Möglichst neutral gebrannte Spirituose mit wenig Begleitstoffen; der Kater hängt trotzdem an der Alkoholmenge.
Bourbon
Amerikanischer Whiskey mit vielen Begleitstoffen; in einer Studie mit stärkerem Kater bewertet als Wodka.

Dazu im Lexikon

Whisky und Fassreifung im LexikonAlkoholfreie Spirituosen im Lexikon
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