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Wärmt Schnaps bei Kälte? Warum Alkohol den Körper auskühlt

Kälte und Alkohol

Wärmt Schnaps bei Kälte? Warum Alkohol den Körper auskühlt

Schnaps wärmt nur scheinbar. Alkohol weitet die Blutgefäße in der Haut, deshalb fühlt man sich kurz warm. Zugleich gibt der Körper mehr Wärme nach außen ab, und die Kerntemperatur kann sinken. Bei Kälte erhöht Alkohol so das Risiko einer Unterkühlung.

Warum fühlt sich ein Schnaps warm an?

Nach einem Schluck Obstbrand breitet sich Wärme in Mund, Hals und Bauch aus. Das hat zwei Gründe. Konzentrierter Alkohol reizt Nervenenden in den Schleimhäuten, die sonst auf Hitze reagieren, und meldet dem Gehirn ein Brennen. Vor allem aber weitet Alkohol die feinen Blutgefäße unter der Haut. Mehr warmes Blut strömt an die Oberfläche, Wangen und Hände fühlen sich warm an, manche bekommen rote Ohren.

Dieses Gefühl täuscht über das hinweg, was im Inneren geschieht. Bei Kälte zieht der Körper normalerweise die Gefäße in der Haut eng zusammen. So bleibt das warme Blut im Rumpf, bei Herz, Lunge und Gehirn. Alkohol hebt diesen Schutz teilweise auf. Die Wärme, die man in der Haut spürt, ist Wärme, die gerade aus dem Körperkern nach außen wandert und dort an die kalte Luft verloren geht.

Alkohol und Unterkühlung: was in der Kälte passiert

Dazu kommen weitere Effekte. Alkohol kann das Kältezittern dämpfen, mit dem der Körper Wärme erzeugt. Er fördert das Schwitzen und trübt das Urteil darüber, wann es Zeit ist, ins Warme zu gehen. Wer getrunken hat, fühlt sich behaglich, während die Kerntemperatur bereits fällt. Medizinische Fachleute nennen Alkohol deshalb einen Risikofaktor für Unterkühlung, im Fachwort Hypothermie.

Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC führt Alkohol als Risikofaktor bei Todesfällen durch Unterkühlung. Besonders gefährdet sind Menschen, die nach dem Trinken draußen einschlafen oder lange im Freien unterwegs sind. Die tückische Seite: Das Warnsignal Frieren meldet sich später oder schwächer, gerade wenn es am nötigsten wäre. Was sich wie Wärme anfühlt, ist in der Kälte also eher ein falscher Alarm in die Gegenrichtung.

Bernhardiner, Jagertee, Hüttenschnaps: die Legenden der Kälte

Das bekannteste Bild dieses Mythos ist der Bernhardiner mit dem Fässchen am Hals, der Verschüttete im Schnee findet. Die Hunde vom Großen Sankt Bernhard haben tatsächlich Menschen gerettet. Das Fässchen gehört aber nach allem, was über ihre Geschichte bekannt ist, eher zur Bildwelt von Malern und Postkarten als zum Rettungsalltag. Medizinisch wäre ein Schnaps für einen unterkühlten Menschen ohnehin das Falsche.

Ähnlich verhält es sich mit dem Jagertee auf der Skihütte oder dem Obstler nach dem Schneeschaufeln. Gegen eine warme Stube und ein heißes Getränk ist nichts einzuwenden. Warm macht dabei die Hitze des Tees, nicht der Alkohol darin. Wer danach wieder hinaus in die Kälte, auf die Piste oder ans Steuer muss, ist mit einem alkoholfreien Heißgetränk sicherer unterwegs.

Was wirklich wärmt, und wann ein Brand seinen Platz hat

Gegen Kälte helfen trockene Kleidung in mehreren Schichten, Bewegung, Essen und warme Getränke ohne Alkohol. Das klingt banal, entspricht aber dem, was der Körper braucht: Energie, um Wärme zu erzeugen, und eine Hülle, die sie hält. Ein Obstbrand liefert keine dieser Leistungen, auch wenn er sich im Hals so anfühlt.

Sein Platz ist danach, im Warmen, wenn niemand mehr hinausmuss. Dort kann ein Kirschwasser oder ein Marillenbrand in Ruhe zeigen, was er an Duft mitbringt. Das wärmende Gefühl bleibt ein Teil des Genusses, solange man es richtig einordnet: als Empfindung auf Haut und Schleimhaut, nicht als Heizung von innen.

Für Brennereien ist der Winter übrigens tatsächlich Hochsaison. Viele Obstmaischen werden in den kalten Monaten gebrannt, in Fraxern in Vorarlberg etwa das Kirschwasser traditionell im Dezember. Die Wärme der Brennstube kommt dann vom Feuer unter dem Kessel und nicht aus dem Glas.

Kurz unterschieden

Obstbrand
Klarer Brand aus vergorener Frucht; sein Wärmegefühl entsteht in Haut und Schleimhaut, nicht im Körperkern.
Heißgetränk mit Schuss
Tee oder Punsch mit Rum oder Brand; die Wärme liefert das heiße Wasser, der Alkohol fördert eher das Auskühlen.
Glühwein
Erhitzter, gewürzter Wein mit weniger Alkohol als ein Brand; er wärmt durch seine Temperatur, nicht durch den Alkohol.

Dazu im Lexikon

Alkoholfreie Spirituosen im LexikonDie Hausbar im Lexikon
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