
Hausmittel im Faktencheck
Schnaps als Hausmittel: Erkältung, Wunden, Einreiben, Tiere
Als Medizin taugt Schnaps nicht. Gegen Erkältung gibt es keinen Wirksamkeitsbeleg, zum Desinfizieren ist ein Brand mit rund 40 Prozent zu schwach, und Kindern darf man nie Alkohol geben. Die Hausmittel sind Volksbrauch aus einer Zeit, in der Brände als Arznei galten.
Vom Aqua vitae zum Hausmittel: Warum galt Schnaps als Medizin?
Brände kamen im Mittelalter als Arznei in Gebrauch. Klöster und Apotheken stellten sie her und nannten sie aqua vitae, Wasser des Lebens. Aus dem Jahr 1310 ist eine Schrift des Priors Vital Dufour aus der Gascogne überliefert, die vierzig Tugenden des brennenden Wassers aufzählt. Die Schrift pries es gegen allerlei Leiden, heute würde man das ein Heilversprechen nennen. Aus dieser Zeit stammt der Ruf des Branntweins als Allheilmittel, und er hielt sich in Bauernhäusern sehr lange.
Viele Hausmittel von heute sind Reste dieser Tradition. Großeltern empfahlen einen heißen Grog bei Schnupfen, einen Kräuterschnaps bei Bauchweh oder Franzbranntwein zum Einreiben. Manche dieser Bräuche sind harmlos, andere können schaden. Wie belastbar sie sind, zeigt ein Blick auf Studien und auf die Empfehlungen von Fachstellen.
Hilft Schnaps gegen Erkältung?
Für eine heilende Wirkung von Alkohol bei Erkältungen gibt es keinen Beleg. Ein heißer Grog oder Tee mit Schuss fühlt sich wohltuend an, weil Wärme und Dampf die Schleimhäute befeuchten und der Alkohol entspannt. Das leistet heißer Tee ohne Alkohol genauso. Der Alkohol selbst bekämpft weder Viren, noch verkürzt er die Krankheit.
Er kann sogar stören. Alkohol verschlechtert die Schlafqualität, und erholsamer Schlaf ist bei einem Infekt besonders wichtig. Mit manchen Erkältungs- und Schmerzmitteln verträgt er sich schlecht, etwa mit Paracetamol, das wie Alkohol über die Leber abgebaut wird. Wer krank ist und Medikamente nimmt, verzichtet deshalb besser auf den Grog und fragt im Zweifel in der Apotheke nach.
Schnaps auf die Wunde, Schnaps zum Einreiben
Im Film wird die Wunde mit Whisky ausgewaschen, und auch daheim landete früher Obstler auf Schrammen. Als Desinfektionsmittel taugt ein Trinkbrand aber kaum. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt für Handdesinfektion mindestens 60 Prozent Alkohol, die Weltgesundheitsorganisation nennt für ihre Rezeptur 80 Prozent Ethanol. Ein Obstbrand mit 40 Prozent liegt deutlich darunter und wirkt gegen viele Keime nur unzureichend.
Beim Einreiben verhält es sich ähnlich. Franzbranntwein, ein alkoholisches Einreibemittel aus der Drogerie oder Apotheke, kühlt die Haut, weil Alkohol verdunstet. Das ist ein angenehmes Gefühl, aber keine Heilung. Ein Trinkbrand bringt dafür nichts Besseres mit, nur den teureren Inhalt.
Eine Regel gilt dabei ohne Ausnahme: Babys und Kleinkindern gehört kein Alkohol aufs Zahnfleisch, auf die Brust oder in den Tee, auch kein Tropfen gegen Zahnungsschmerzen. Kinder reagieren auf Alkohol weit empfindlicher als Erwachsene.
Schnaps für Tiere und andere Bauernweisheiten
In den Alpen erzählt man sich, Bauern hätten Schnaps auch für ihr Vieh gebraucht, zum Einreiben, bei Koliken oder als Stärkung im Winter. Mit solchen Geschichten wird in manchen Quellen sogar begründet, warum Tirol und Vorarlberg beim steuerfreien Hausbrand höhere Freimengen haben als das übrige Österreich. Belegt ist diese Begründung nicht, sie gehört zur Folklore.
Für Tiere gilt dasselbe wie für Menschen: Alkohol ist kein Heilmittel, und für Hunde und Katzen ist er schon in kleinen Mengen gefährlich. Was aus der Brennkultur wirklich als Hausmittel überlebt hat, kommt oft ohne Alkohol aus. In Fraxern in Vorarlberg werden die Kerne der Brennkirschen in Säckchen gefüllt und als Wärmekissen genutzt, die Kirschstiele kommen in den Tee. Das Kissen hält, was es verspricht: Es wärmt.