
Vom VS zum XO
Cognac trinken: pur, mit Eis oder im Cocktail?
Cognac darf man pur, auf Eis, mit Tonic oder im Cocktail trinken; laut dem Branchenverband BNIC wird weltweit rund zwei Drittel des Cognacs in Cocktails getrunken. Junge VS-Qualitäten sind fürs Mixen gedacht, alte XO-Cognacs zeigen ihre Tiefe am besten pur und bei Zimmertemperatur.
Cognac trinken: Es gibt mehr als eine richtige Art
Cognac hat das Image eines Getränks für Ledersessel und Kaminfeuer. Die Zahlen erzählen etwas anderes. Das Bureau National Interprofessionnel du Cognac, kurz BNIC, der Branchenverband in der Stadt Cognac, schrieb 2022, dass zwei Drittel des weltweit getrunkenen Cognacs in Cocktails landen. Der größte Markt nach Menge ist Nordamerika, wo Cognac seit Langem in Bars gemischt wird.
Das passt zur Struktur des Angebots. Von allen 2025 verkauften Cognacflaschen waren nach Angaben des BNIC 55,2 Prozent VS, 38,0 Prozent VSOP und nur 6,8 Prozent XO. Der Großteil ist also junger Cognac, und der ist in erster Linie für Mischgetränke gedacht. Wer Cognac nur als Digestif für besondere Anlässe kennt, sieht also lediglich einen kleinen Ausschnitt.
VS, VSOP, XO: welcher Cognac wofür?
Die Buchstaben auf dem Etikett nennen das Mindestalter, und zwar immer das des jüngsten Brandes in der Mischung. Ein VS hat mindestens zwei Jahre im Eichenfass gelegen, ein VSOP mindestens vier. Für XO gelten seit dem 1. April 2018 mindestens zehn Jahre, vorher waren es sechs.
Daraus ergibt sich eine einfache Orientierung. Ein VS schmeckt frisch, fruchtig und lebhaft, mit deutlicher Weinfrucht und noch wenig Holz. Er ist der klassische Cognac für Longdrinks und Cocktails. Ein VSOP ist runder und vielseitig: im Cocktail ebenso gut wie pur oder mit einem Eiswürfel. Ein XO hat durch die lange Fassreife Noten von Trockenfrucht, Nuss, Gewürz und manchmal Leder entwickelt, die im Mischgetränk untergehen würden. Ihn trinkt man meist pur.
Cognac pur: Glas, Temperatur und Geduld
Wer Cognac pur probiert, nimmt am besten ein Tulpenglas und trinkt ihn bei Zimmertemperatur. Nach dem Einschenken lohnt es, einige Minuten zu warten. Der Brand bekommt Luft, der erste Alkoholstoß verfliegt, und die Aromen aus Traube und Holz treten hervor.
Dann folgt dasselbe Vorgehen wie bei jedem Brand: ansehen, riechen, ein kleiner Schluck, der den Mund an den Alkohol gewöhnt, und erst danach der eigentliche Probeschluck. Bei einem alten Cognac lohnt es, auf den Abgang zu achten. Gute Qualitäten klingen lange nach, und viele Kellermeister beurteilen sogar den Duft des leeren Glases, in dem die Holznoten noch lange hängen bleiben.
Cognac auf Eis ist kein Stilbruch, verändert ihn aber. Die Kälte dämpft die Aromen, und das schmelzende Wasser verdünnt ihn nach und nach. Für einen jungen VS oder VSOP an einem warmen Tag ist das eine erfrischende Art, für einen alten XO meist schade.
Cognac im Highball und im Cocktail
Am einfachsten ist der Highball: Cognac mit Tonic Water oder Ginger Ale über Eis, oft mit einer Zitrusschale. Er ist leicht, unkompliziert und zeigt die Frucht des jungen Cognacs. Daneben stehen klassische Cocktails wie der Sidecar mit Orangenlikör und Zitronensaft oder die Brandy Crusta, beide aus der frühen Barkultur.
Im Cocktail kommt es auf das Gleichgewicht von Süße, Säure und Alkohol an. Ein VS bringt genug Frucht mit, um sich gegen Zitrone und Likör zu behaupten, ohne dass teure Fassaromen verloren gehen. Ein alter XO dagegen würde im Cocktail kaum mehr beitragen als ein guter VSOP.
Armagnac, Weinbrand, Calvados: gilt das auch für sie?
Vieles von dem, was für Cognac gilt, lässt sich auf seine Nachbarn übertragen. Armagnac wird meist in einem einzigen Durchgang in einer Kolonne gebrannt, dem sogenannten alambic armagnacais, und reift mindestens ein Jahr in Eiche. Er wirkt oft kräftiger und würziger als Cognac. Viele Liebhaber trinken ihn pur, junge Qualitäten funktionieren aber ebenso im Cocktail.
Weinbrand ist als EU-Kategorie an keine Herkunft gebunden. Er braucht mindestens 36 Prozent Alkohol und eine Reifung in Eichenholz, alles Weitere entscheidet der Hersteller. Deshalb reicht die Spanne vom einfachen Mixbrand bis zum lange gereiften Brand für das Tulpenglas. Calvados schließlich ist ein Brand aus Cidre, nicht aus Wein, und bringt Apfel statt Traube ins Glas. Für alle drei gilt: jung eher gemischt, alt eher pur.