
Klar oder Eiche
Reifung & Lagerung
Frisch gebrannte Slivovice ist farblos und braucht Ruhe. Die meisten Brenner lassen sie nach dem Brennen in Glas oder Edelstahl liegen, damit sich die Aromen setzen und der Alkohol weicher wirkt. Eine vorgeschriebene Reifezeit gibt es für Obstbrand in der EU nicht. Ein Pflaumenbrand darf also gleich nach dem Brennen in die Flasche.
Wer Farbe und Holzton will, nimmt Eichenfässer. Das Holz färbt die Slivovice bernsteinfarben bis dunkelbraun und gibt Vanille und Gewürz ab, während der Steinton in den Hintergrund rückt. Färben mit Zusatzstoffen ist bei Obstbrand verboten; nur Zuckerkulör ist erlaubt, wenn der Brand mindestens ein Jahr mit Holz in Berührung war.
Das Haus Rudolf Jelínek in Vizovice füllt nach Angaben von Händlern auch gereifte Linien ab, etwa einen Family Reserve mit 15 Jahren bei 45 Prozent Alkohol und Jahrgangsabfüllungen mit 50 Prozent. Solche Abfüllungen sind die Ausnahme, die meiste Slivovice in Tschechien und der Slowakei wird jung getrunken.
Eine Altersangabe auf dem Etikett darf nach der EU-Verordnung nur stehen, wenn sie für den jüngsten Bestandteil gilt und die Reifung unter Steueraufsicht stattfand. Ein Jahrgang, der nur das Brennjahr nennt, sagt deshalb noch nichts über Fassjahre aus.
Warum Eichenholz so viel verändert, wird beim Whisky ausführlich erklärt. Poren, Röstung und Sauerstoff arbeiten dort anders als bei einem Pflaumenbrand, das Prinzip bleibt dasselbe. Beim Obstbrand ist Holz eine Option, kein Muss, und mancher Brenner hält den klaren Brand für den ehrlicheren.