
Regeln in Amerika
US-Recht
Wer einen amerikanischen Gin kauft, liest ein anderes Regelwerk als in Europa. Das US-Recht 27 CFR Teil 5 legt eigene Kategorien und eine höhere Mindeststärke fest.
Die Grundregel: mindestens 40 Prozent
Das US-amerikanische Recht, festgehalten im Code of Federal Regulations, Titel 27, Teil 5, verlangt für Gin einen Mindestalkoholgehalt von 40 Prozent Vol., in amerikanischer Zählweise 80 Proof. Diese Grenze liegt spürbar über der europäischen Mindeststärke von 37,5 Prozent. Nach unten gibt es keinen Spielraum, auch nicht für kleine, unabhängige Brennereien.
Zuständig für die Kontrolle ist die Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau, kurz TTB, eine Behörde des US-Finanzministeriums. Sie prüft den Alkoholgehalt. Außerdem genehmigt sie jedes Etikett einzeln, bevor eine Flasche in amerikanischen Regalen stehen darf, und kontrolliert dabei auch Werbeaussagen auf Richtigkeit.
Distilled Gin: die amerikanische Version des Destillierten Gins
Distilled Gin entsteht laut Definition entweder durch ursprüngliche Destillation einer Maische zusammen mit Wacholderbeeren und anderen Aromapflanzen, oder durch erneute Destillation bereits gebrannter neutraler Spirituosen über denselben Zutaten. Entscheidend ist, dass der Wacholdergeschmack den Charakter des fertigen Produkts eindeutig bestimmt, nicht nebensächlich hinter anderen Aromen verschwindet.
Diese Definition ähnelt der europäischen Kategorie Destillierter Gin, ist aber nicht identisch. Das US-Recht kennt keine eigene Stufe, die exakt der Bezeichnung London Gin entspricht. Amerikanische Hersteller, die nach diesem strengen Verfahren arbeiten, dürfen den Begriff London Dry Gin trotzdem als Stilbezeichnung verwenden, solange sie niemanden über die Herkunft täuschen und die Angabe nicht als geografische Herkunft missverstanden werden kann.
Redistilled Gin und compoundierter Gin
Redistilled Gin bezeichnet Gin, der durch erneute Destillation fertiger neutraler Spirituosen über Wacholder und weiteren Botanicals entsteht, statt direkt aus einer Maische gebrannt zu werden. Dieser Weg ist in den USA ausdrücklich als eigenständiges Verfahren anerkannt. Er muss nicht gesondert auf dem Etikett stehen, solange die Kategorie Gin oder Distilled Gin korrekt bleibt und die Herstellung den Vorgaben entspricht.
Am anderen Ende der Skala steht compoundierter Gin, umgangssprachlich auch Bathtub Gin genannt. Hier werden neutrale Spirituosen einfach mit Wacholderaromen oder -extrakten gemischt, ohne dass überhaupt mitdestilliert wird. Das ist legal. Es muss aber häufig als solches erkennbar bleiben, weil das Verfahren geschmacklich deutlich einfacher ist als echte Destillation und meist auch günstiger in der Herstellung.
Was Käufer beim Vergleich beachten sollten
Wer europäische und amerikanische Flaschen nebeneinander im Regal sieht, sollte zwei Dinge im Kopf behalten. Die US-Mindeststärke liegt höher. Und Bezeichnungen wie London Dry Gin sind in Amerika ein Stilbegriff, ohne das strenge Nach-Destillation-Zusatzverbot, das die EU-Verordnung für echten London Gin vorschreibt und das die Kategorie in Europa so eindeutig macht.
Das bedeutet nicht, dass amerikanische London-Dry-Gins schlechter wären. Es bedeutet nur, dass die Bezeichnung dort weniger reguliert ist als in Europa. Wer sichergehen will, wie ein bestimmter Gin tatsächlich hergestellt wurde, findet verlässlichere Angaben oft im Herstellerprofil als allein im Namen auf dem Etikett, besonders bei kleineren amerikanischen Brennereien mit eigener Webseite.
Bevor eine Ginflasche in den USA verkauft werden darf, braucht sie ein Certificate of Label Approval, kurz COLA. Die TTB prüft dabei jedes einzelne Etikett auf Formulierung, Alkoholangabe und Kategorie. Ein Etikett, das etwa fälschlich London Dry Gin verspricht, obwohl gar keine einzige Destillation stattfand, wird bei dieser Prüfung abgelehnt. Auch die Begriffe Distilled Gin und Redistilled Gin müssen zur tatsächlichen Herstellung passen, sonst verweigert die Behörde die Zulassung. Diese Vorabprüfung ersetzt zwar keine laufende Marktkontrolle, verhindert aber zumindest grobe Falschangaben, bevor eine Flasche überhaupt ins Regal kommt.