
Kubas Rumgeschichte
Kuba, Prohibition und Enteignung 1960: Bacardí und Havana Club
Bacardí wurde 1862 in Santiago de Cuba gegründet, Havana Club 1934 in Cárdenas. Während der US-Prohibition wurde Havanna zur Bar der Amerikaner. Nach der Revolution verstaatlichte Kuba am 14. Oktober 1960 Bacardí, auch Havana Club wurde enteignet. Seither gibt es zwei Rums dieses Namens.
Wie entstand Bacardí in Santiago de Cuba?
Facundo Bacardí Massó wurde 1813 in Sitges in Katalonien geboren und wanderte nach Kuba aus. Am 4. Februar 1862 gründete er in Santiago de Cuba im Osten der Insel seine Rumfirma. Kuba war damals noch spanische Kolonie, und auch hier lebte die Zuckerwirtschaft bis 1886 von Sklavenarbeit.
Der kubanische Rum entwickelte sich zum leichten, eleganten Stil, der heute als spanischer Stil gilt. Die geplante geografische Angabe Cuba beschreibt seine Grundzüge: nur Melasse aus kubanischem Rohr, eine kurze Gärung von 24 bis 26 Stunden, Destillation in Säulen und mindestens zwei Reifestufen in gebrauchten Weißeichenfässern. Das ergibt einen milderen, schlankeren Rum als die schweren Brände aus Jamaika.
Prohibition: Warum wurde Havanna zur Bar der Amerikaner?
Von 1920 bis 1933 war in den USA der Verkauf von Alkohol verboten. Für Kuba, nur rund 150 Kilometer von Florida entfernt, wurde das zum Geschäft. Amerikaner reisten nach Havanna, um dort legal zu trinken, und Bars und Hotels lebten von ihnen. Bacardí eröffnete 1930 in Havanna ein Firmengebäude im Art-déco-Stil, das bis heute im Stadtbild steht.
Gleichzeitig baute die Firma Standbeine außerhalb Kubas auf. 1931 gründete sie eine Tochter in Mexiko, ab 1936 entstand eine Brennerei in Puerto Rico, die Anfang 1937 den ersten Rum lieferte. Puerto Rico war für den US-Markt wichtig, weil Rum von dort als amerikanische Ware galt. Viele Cocktail-Klassiker werden in diese Jahre in Havanna datiert, ihre Erfindungsgeschichten sind aber Überlieferung.
Kurz nach dem Ende der Prohibition gründete die Familie Arechabala in Cárdenas 1934 die Marke Havana Club, ausdrücklich mit Blick auf Touristen und den amerikanischen Markt.
1960: Revolution und Enteignung der Rumfirmen
Nach dem Sieg der Revolution 1959 verstaatlichte die neue Regierung Banken, Zuckerfabriken und Industrie. Am 14. Oktober 1960 traf es Bacardí, im selben Jahr auch die Arechabalas mit Havana Club. Die Bacardí-Familie hatte vorgesorgt. Ihre Brennerei in Cataño auf Puerto Rico war 1958 eröffnet worden und liefert heute rund 85 Prozent der Bacardí-Rumproduktion. Firmensitz ist Hamilton auf den Bermudas.
Der kubanische Staat machte mit den enteigneten Anlagen weiter. Havana Club wurde ab 1970 in einer Brennerei in Santa Cruz del Norte hergestellt, seit 2007 kommt eine zweite in San José de las Lajas für dunkle Rums hinzu. Das US-Embargo schloss Kubas Rum jedoch vom amerikanischen Markt aus, und das gilt bis heute.
Warum gibt es zwei Havana Club?
1993 gründeten der kubanische Staatsbetrieb Cuba Ron und der französische Konzern Pernod Ricard ein Gemeinschaftsunternehmen. Es verkauft Havana Club aus Kuba weltweit, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1994 kaufte Bacardí der Familie Arechabala ihre Rechte an der Marke ab und bringt in den USA einen eigenen Havana Club aus Puerto Rico in den Handel.
Im Kern geht der Streit darum, ob die Marke 1973 verfallen ist und wem sie seither gehört. Er beschäftigt seit Jahrzehnten Gerichte und Behörden. Für Käufer außerhalb der USA ist die Lage einfach: Havana Club ist hier kubanischer Rum. Bacardí ist heute nach Absatz die zweitgrößte Rummarke der Welt, Havana Club liegt auf Platz fünf. Kuba hat für seinen Rum den Schutz als geografische Angabe Cuba in der EU beantragt.