
Klingt nur so
Spiced Rum, Inländerrum, Rum-Verschnitt: Was nach Rum klingt, aber keiner ist
Spiced Rum, Inländerrum und Rum-Verschnitt sind rechtlich kein Rum, sondern Spirituosen mit Rumanteil oder Rumaroma. Spiced Rum ist gewürzt, Inländerrum mit Essenz aromatisiert, Rum-Verschnitt mit Neutralalkohol gestreckt. In Küche und Bar hat jeder davon seinen eigenen Zweck.
Warum ist Spiced Rum kein Rum?
Echter Rum darf in der EU nicht aromatisiert werden. Sobald Vanille, Zimt, Orangenschale oder Kokos hineinkommen, verliert das Getränk die Bezeichnung Rum. Auf dem Etikett steht dann Spirituose, bei viel Zucker und mindestens 15 % vol auch Likör. Spiced Rum auf der Schauseite ist ein Handelsname, keine Rechtskategorie. Captain Morgan Original Spiced Gold etwa ist in der EU als Spirituose eingestuft, nicht als Rum.
Im Geschmack sind Spiced Rums meist süß und weich, mit Vanille, Karamell und Backgewürz. Der Zuckergehalt liegt oft deutlich über den 20 Gramm je Liter, die für Rum gelten würden. Das macht sie zugänglich und beliebt für Longdrinks mit Cola oder Ginger Beer. Kenner sehen darin eher ein gewürztes Mischgetränk als einen Rum, bei dem Rohstoff und Brennblase den Ton angeben. Die Vertiefung zu Spiced Rum erklärt Rezepturen und Etiketten genauer.
Inländerrum: Österreichs Rum für Mehlspeise und Punsch
Österreich-Ungarn besaß keine Zuckerkolonien, brauchte aber Rum für Mehlspeisen und Punsch. So entstand der Inländerrum, früher ein Kunstrum aus verdünntem Sprit, Rumessenz und Zuckercouleur. Seit 1999 gilt eine strengere Regel: Der gesamte Alkohol muss aus Rum stammen, also aus Zuckerrohr. Aromatisiert wird er mit Inländerrum-Essenz, die ihrerseits aus in Österreich gebranntem Rumdestillat besteht. Fremdalkohol aus Rüben oder Kartoffeln ist ausgeschlossen.
Weil er aromatisiert ist, zählt Inländerrum rechtlich nicht zur EU-Kategorie Rum. Er ist eine eigene geschützte geografische Angabe unter den sonstigen Spirituosen, mit mindestens 38 % vol und im Handel bis 80 %. Stroh aus Klagenfurt ist die bekannteste Marke. Im Geschmack ist er kräftig und duftig, nach Vanille, Karamell und Backstube. Gedacht ist er für Teig, Kuchen, Jagertee und Punsch, weniger für das Glas pur.
Rum-Verschnitt: Was steckt in der deutschen Backzutat?
Im deutschen Backregal steht oft eine Flasche Rum-Verschnitt. Mindestens fünf Prozent ihres Alkohols müssen aus echtem Rum stammen, der Rest ist Neutralalkohol aus landwirtschaftlichen Rohstoffen. Das Wort Verschnitt muss auf dem Frontetikett gleich groß, in gleicher Schrift und Farbe und auf derselben Zeile stehen wie das Wort Rum. Rechtlich ist das Ganze eine Spirituose mit mindestens 37,5 % vol, die nur in Deutschland hergestellt wird.
Seine Wurzeln liegen nach verbreiteter Darstellung im Rumhandel von Flensburg. Die Stadt holte ab 1755 Rum aus Dänisch-Westindien, wo Zuckerrohr auf Plantagen von versklavten Menschen angebaut wurde. Nach 1864 fiel der zollfreie Kolonialrum weg, und Händler streckten kräftigen Jamaika-Rum mit Sprit. Im Kuchen oder Grog liefert der Verschnitt Rumaroma mit wenig echtem Rum. Pur oder im Cocktail fehlt ihm dagegen der Körper eines echten Rums.
Tuzemák, Domači rum, Ronmiel: Rum-Namen ohne Rum
Ähnliche Fälle gibt es in ganz Europa. In Tschechien hieß ein Brand aus Kartoffel- oder Rübenalkohol mit Rumessenz bis Ende 2002 Tuzemský rum. Seit 2003 darf er wegen des EU-Rechts nur noch Tuzemák heißen, die bekannte Marke Božkov verkauft ihn bis heute. Slowenien kennt den Domači rum, eine aromatisierte und gefärbte Spirituose fürs Backen, die als eigene geografische Angabe geschützt ist und nach Punsch mit Vanille duftet.
Auf den Kanaren gibt es Ronmiel de Canarias, eine Spirituose aus Rum und Honig, ebenfalls geschützt und ebenfalls kein Rum. Für alle gilt eine Regel des EU-Rechts: Begriffe wie Rum-Art, Rum-Typ oder Rum-Geschmack sind für Getränke verboten, die kein Rum sind. Was wirklich in der Flasche steckt, verrät die gesetzliche Bezeichnung auf dem Etikett. Steht dort Rum, ist es Rum. Steht dort Spirituose oder Likör, ist es etwas anderes.