
Glas und Grad
Welches Glas und welche Temperatur für Rum?
Für die Rumverkostung eignet sich ein Nosing-Glas in Tulpenform: unten bauchig, oben verengt, damit sich die Aromen sammeln und der Alkohol nicht in die Nase sticht. Pur verkostet man Rum am besten bei Zimmertemperatur um 18 bis 20 Grad, ohne das Glas mit der Hand zu wärmen.
Welches Glas für Rum? Tulpenform statt Tumbler
Ein Nosing-Glas, also ein Riechglas, hat einen runden Bauch und eine schmale Öffnung. Beim Schwenken verteilt sich der Rum über eine große Fläche im Bauch, die Duftstoffe steigen auf und werden oben gebündelt. Die bekannteste Form ist die Copita aus Andalusien, ursprünglich für Sherry gedacht, dazu kommen kurze Tulpengläser aus der Whiskywelt.
Der Tumbler, das schwere, gerade Glas aus Bars, ist für Drinks gebaut. Seine weite Öffnung lässt Aromen und Alkohol schnell entweichen. Der Rum wirkt darin milder, aber auch flacher, weil die Nase weniger findet. Zum Genießen auf dem Sofa ist das in Ordnung, zum Verkosten und Vergleichen nicht.
Auch die Füllmenge zählt. Ein Nosing-Glas sollte höchstens bis zur breitesten Stelle des Bauchs gefüllt sein, meist reichen zwei Zentiliter. Dann bleibt darüber genug Raum, in dem sich die Duftstoffe sammeln. Ein randvolles Glas lässt sich weder schwenken noch sinnvoll beriechen, und die Nase hängt direkt über der Flüssigkeit, wo der Alkohol am stärksten aufsteigt. Ein kurzer Stiel hat einen weiteren Vorteil: Man hält das Glas, ohne den Bauch mit der Hand zu wärmen.
Ein Weißweinglas ist eine gute Notlösung. Es hat ebenfalls einen Bauch und eine leicht verengte Öffnung. Wichtig ist bei allen Gläsern, dass sie dünnwandig und farblos sind, damit man die Farbe sieht und das Glas nicht unnötig kalt oder warm wird.
Warum der große Cognacschwenker wenig taugt
Der klassische Schwenker mit riesigem Bauch und kurzem Stiel sieht edel aus, ist für Rum aber eher ungünstig. Die große Oberfläche lässt viel Alkohol verdunsten, der sich im weiten Glas sammelt. Wer hineinriecht, bekommt zuerst eine Welle Ethanol in die Nase, die feine Fruchtnoten überdeckt.
Dazu kommt die Haltung. Der Schwenker wird in der hohlen Hand gehalten, damit die Körperwärme das Getränk anwärmt. Früher galt das als Kunst, manche wärmten Cognac sogar über einer Kerze. Für Rum ist das unnötig. Bei wärmerer Temperatur verdunstet Alkohol schneller, und die Schärfe nimmt zu, statt dass mehr Aroma kommt.
Welche Temperatur für Rum? Die 18 bis 20 Grad im Detail
Zimmertemperatur ist für Rum ein guter Ausgangspunkt, gemeint sind etwa 18 bis 20 Grad. In diesem Bereich sind die Aromastoffe flüchtig genug, um sich zu zeigen, während der Alkohol noch nicht übermäßig in die Nase steigt. Ein Rum aus einem kalten Kellerregal braucht ein paar Minuten im Glas, bevor er sich öffnet.
Kälte bremst die Verdunstung von Duftstoffen, der Rum riecht dann leiser. Gleichzeitig nimmt man Süße bei niedriger Temperatur schwächer wahr. Darum schmecken stark gesüßte Rums gekühlt oft runder, und darum sagt ein gekühlter Rum wenig über seine wahre Balance. Zum Vergleichen sollten alle Proben dieselbe Temperatur haben.
Sehr warme Räume sind das andere Extrem. Im Hochsommer bei 28 Grad wirkt jeder Rum alkoholischer. Hier hilft es, das Glas nur am Stiel oder am Fuß zu halten und kleine Mengen einzuschenken, die schnell verkostet sind. Ein Glas, das eine Stunde in der Sonne stand, verfälscht jedes Urteil.
Gläser vorbereiten: Spülmittel und Schrankgeruch
Ein sauberes Glas ist wichtiger als die teuerste Form. Spülmittelreste und Gerüche aus dem Schrank, etwa von Karton oder Holz, legen sich als Film auf das Glas und mischen sich mit dem Rum. Spüle Verkostungsgläser deshalb mit heißem Wasser nach und lass sie kopfüber auf einem sauberen Tuch trocknen.
Vor dem Einschenken lohnt ein kurzer Riechtest am leeren Glas. Riecht es nach nichts, ist es bereit. Manche spülen das Glas mit einem Schluck des Rums vor, den sie danach weggießen. Das kann man tun, nötig ist es bei einem sauberen Glas nicht. Für einen Vergleich gilt: gleiche Gläser für alle Proben, sonst vergleicht man am Ende die Gläser.