
Die Zuckergrenze
20 Gramm pro Liter: die EU-Zuckergrenze für Rum seit 2021
Seit dem 25. Mai 2021 darf Rum in der EU höchstens 20 Gramm süßende Erzeugnisse je Liter enthalten, berechnet als Invertzucker. Gesüßt werden darf nur „zur Abrundung des endgültigen Geschmacks“. Vorher kannte das EU-Recht für Rum keine Obergrenze.
Was die EU-Spirituosenverordnung zum Zucker im Rum sagt
Die Regel steht in der Verordnung (EU) 2019/787, Anhang I, Kategorie 1. Dort ist festgelegt, was Rum ist und was hinein darf. Zusatzalkohol ist verboten, Aromen ebenfalls, Zuckerkulör ist nur zur Anpassung der Farbe erlaubt. Für die Süße gibt es einen eigenen Satz. Rum darf gesüßt werden, um den endgültigen Geschmack abzurunden. Das fertige Erzeugnis darf aber höchstens 20 Gramm süßende Erzeugnisse je Liter enthalten.
Die Verordnung gilt seit dem 25. Mai 2021 und löste die ältere Spirituosenverordnung (EG) Nr. 110/2008 ab. Diese hatte Rum zwar definiert, aber keine Zuckergrenze gekannt. Ein Hersteller konnte also nachsüßen, so viel er wollte, und trotzdem „Rum“ aufs Etikett schreiben. Die neue Grenze gilt für jeden Rum, der in der EU verkauft wird, gleich wo er gebrannt wurde. Ein Rum aus Panama oder von den Philippinen muss sie ebenso einhalten wie einer aus Martinique.
Was bedeutet „ausgedrückt als Invertzucker“?
Hersteller süßen mit unterschiedlichen Zuckern. Die Verordnung zählt sie als süßende Erzeugnisse auf, darunter Weißzucker, Dextrose, Fruktose, Glukosesirup, Honig und karamellisierten Zucker, der allein durch kontrolliertes Erhitzen von Saccharose entsteht. Damit sich diese Stoffe vergleichen lassen, rechnet man sie auf Invertzucker um. Invertzucker ist Haushaltszucker, der in seine beiden Bausteine Traubenzucker und Fruchtzucker gespalten wurde.
Für die Praxis heißt das: Gezählt wird die Zuckermenge, nicht die Art. Ob ein Brennmeister Rohrzuckersirup, Honig oder Glukosesirup verwendet, die Summe darf 20 Gramm je Liter nicht übersteigen. Die Liste nennt Zucker und zuckerhaltige Naturstoffe wie Honig oder Johannisbrotsirup. Was dagegen nach Vanille oder Karamell schmecken soll, ohne Zucker zu sein, fällt unter ein anderes Verbot. Rum darf nicht aromatisiert werden, mehr dazu in Station 6.
Wie viel sind 20 Gramm Zucker je Liter?
Zwanzig Gramm je Liter klingen nach wenig, und im Vergleich zu Limonade sind sie es auch. Für eine Spirituose ist die Menge aber deutlich schmeckbar. Zwei Gramm in 100 Millilitern runden die Alkoholschärfe ab, machen den Rum weicher und lassen ihn am Gaumen voller wirken. Geübte Verkoster erkennen schon wenige Gramm am glatten, leicht klebrigen Abgang. Bei 20 Gramm wirkt ein Rum für viele bereits deutlich süß.
Die Grenze gilt für das Fertigerzeugnis, also für das, was in der Flasche steckt. Ob der Zucker in einem Schritt oder über einen gesüßten Bestandteil des Verschnitts hineinkam, ist dafür gleichgültig. Weil Zucker beim Brennen nicht verdampft, stammt fast alles Messbare aus späterer Zugabe, das Fass liefert nur geringe Mengen. Die Zahl lässt sich darum einfach lesen: So viel Süße darf ein Hersteller seinem Rum höchstens mitgeben.
Was gilt für Rum mit mehr als 20 Gramm Zucker?
Ein Getränk mit mehr Zucker darf in der EU nicht „Rum“ heißen. Für gesüßte Rums bedeutete die Regel 2021: Entweder bleibt die Rezeptur unter 20 Gramm, oder auf dem Etikett steht eine andere Bezeichnung, meist „Spirituose“. Viele aromatisierte Produkte trugen diese Bezeichnung ohnehin schon, weil Aromen in Rum verboten sind. Welche Marke welchen Weg ging, zeigt das jeweilige Etikett, nicht der Markenname.
Manche Regeln gehen weiter als die EU. Die Jamaika-Herkunftsangabe lässt nach dem Brennen nur Wasser und Kulör zu. Rum mit dem Zusatz „traditionnel“ darf gar nicht gesüßt sein, ebenso Rum mit dem Begriff „trocken“ oder „dry“. Die geschützte Angabe Demerara Rum aus Guyana übernimmt dagegen genau die 20 Gramm. Auch der kubanische Antrag auf EU-Schutz sieht höchstens 20 Gramm vor, gesüßt nur mit kubanischem Rohrzuckersirup.