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Wo wächst Zuckerrohr für Rum heute und wo nicht mehr?

Anbau heute

Wo wächst Zuckerrohr für Rum heute und wo nicht mehr?

Zuckerrohr für Rum wächst heute in Lateinamerika, der Karibik, Asien und auf Inseln im Indischen Ozean, in Europa nur noch auf Madeira. Viele Rumländer haben ihre Zuckerindustrie aber verloren: Trinidad und Puerto Rico brennen Rum aus eingeführter Melasse.

Wo wird heute Zuckerrohr angebaut?

Die größten Zuckerrohrfelder der Welt liegen nicht in der Karibik, sondern in Brasilien und Indien. Dort geht der größte Teil der Ernte in Zucker und, besonders in Brasilien, in Treibstoff-Alkohol. Rum ist nur ein kleiner Abnehmer. Trotzdem hängt er an diesen Mengen, denn wo viel Zucker entsteht, entsteht viel Melasse.

Das erklärt, warum die großen Rummärkte heute in Asien liegen. Indien ist mit Abstand der größte Rummarkt der Welt, auf den Philippinen sitzt Tanduay, seit 2018 die meistverkaufte Rummarke. Die Insel Negros, wo Zuckerrohr die Landschaft bestimmt, trägt dort den Spitznamen Sugarlandia. In der Karibik dagegen ist der Anbau vielerorts geschrumpft, weil Rohrzucker gegen billigere Konkurrenz kaum noch bestehen konnte. Rum aus Ländern mit eigenem Rohr kommt auch aus Australien, wo Bundaberg in Queensland seit 1889 Rum brennt, und aus Fidschi, wo in Lautoka seit 1980 South Pacific Distilleries arbeitet.

Rum ohne eigene Zuckerindustrie: Trinidad und Puerto Rico

Trinidad war lange ein Zuckerland. Die Brennerei Caroni wurde 2002 stillgelegt, die staatliche Zuckergesellschaft Caroni Ltd. 2003 aufgelöst, und mit ihr verschwand die Zuckerindustrie der Insel. Seitdem muss Angostura, die verbliebene Rumbrennerei Trinidads, ihre Melasse einführen, nach Fachberichten vor allem aus Guyana. Dort brennt seit Ende 1999 nur noch eine Destillerie Rum, Diamond der Demerara Distillers.

Puerto Rico zeigt dasselbe Bild in größerem Maßstab. Die letzten Zuckerfabriken der Insel schlossen um das Jahr 2000. Rum brennen dort trotzdem zwei große Häuser: Bacardí in Cataño, wo seit 1958 die Hauptbrennerei steht, und Serrallés mit Don Q in Ponce. Beide arbeiten mit eingeführter Melasse. Für Melasserum ist das kein Widerspruch, denn der Rohstoff reist gut. Auf dem Etikett sieht man davon nichts.

Zuckerrohr in Europa: Madeira und das Ende in Andalusien

Auf Madeira wachsen heute rund 125 Hektar Zuckerrohr, die etwa 5 800 Tonnen Rohr im Jahr liefern. Die wichtigsten Gemeinden sind Calheta, Machico mit Porto da Cruz und Ponta do Sol. Dort pressen die Engenhos, die alten Zuckermühlen, im Frühjahr frischen Saft für Rum da Madeira. Damit ist Madeira der einzige Ort in Europa, an dem heute Rum mit geschützter Herkunft aus eigenem Rohr entsteht.

In Andalusien endete die Geschichte des europäischen Rohrzuckers am 5. Juni 2006. An diesem Tag schloss bei Salobreña, an der Küste von Motril, die Azucarera del Guadalfeo, seit 1861 in Betrieb und als letzte Rohrzuckerfabrik Europas bekannt. Die Rumbrennerei Ron Montero in Motril, gegründet 1963, wirbt bis heute als einzige Zuckerrohr-Rumbrennerei Europas. Das ist eine Werbeaussage, denn Madeira brennt ebenfalls Rum aus eigenem Rohr.

Saftrum braucht Felder, Melasserum nicht

Aus diesem Bild ergibt sich eine einfache Regel. Rum aus frischem Saft kann nur entstehen, wo das Rohr wächst und die Mühle neben dem Feld steht: auf Martinique, Guadeloupe und Réunion, auf Madeira, in Haiti, wo Clairin und Barbancourt aus Saft gebrannt werden, in Brasilien als Cachaça und auf Mauritius, wo Chamarel seit 2008 Saftrum brennt.

Melasserum dagegen braucht nur Melasse und eine Brennerei. So erklärt sich auch, dass Länder ohne ein einziges Zuckerrohrfeld Rum-Traditionen haben. Für österreichischen Inländerrum wird Rumdestillat aus Zuckerrohr-Rohstoff in Österreich gebrannt. Der deutsche Rum-Verschnitt mischt eingeführten Rum mit Neutralalkohol. Wer wissen will, ob ein Rum aus dem Land stammt, in dem sein Rohr gewachsen ist, achtet auf geschützte Angaben wie Rhum de la Martinique oder Rum da Madeira.

Für Genießer hat das eine praktische Folge. Ein Saftrum ist immer auch ein Erntebericht, er stammt aus einer bestimmten Kampagne und von Feldern in der Nähe der Brennerei. Ein Melasserum erzählt eher von seiner Brennerei, ihrer Hefe, ihrer Brennblase und ihrem Lager. Beides hat seinen Wert, keins ist von sich aus besser. Wer Herkunft im wörtlichen Sinn sucht, findet sie leichter beim Rum aus frischem Saft.

Kurz unterschieden

Importmelasse
Melasse aus fremden Zuckerfabriken. Sie erlaubt Rum ohne eigene Felder, etwa auf Trinidad oder Puerto Rico.
Inländerrum
Österreichische Spezialität ohne eigenes Rohr: Rum aus Zuckerrohr-Rohstoff mit Aromaessenz, rechtlich eine Sonstige Spirituose, kein Rum.
Rum-Verschnitt
Deutsche Mischung aus Rum und Neutralalkohol, mindestens 5 Prozent des Alkohols aus Rum. Rechtlich eine Spirituose, kein Rum.

Dazu im Lexikon

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