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Wie kam das Zuckerrohr in die Karibik?

Weg des Rohrs

Wie kam das Zuckerrohr in die Karibik?

Zuckerrohr kam über Asien, die arabische Welt und das Mittelmeer in den Atlantik: aus Sizilien um 1425 nach Madeira, mit Kolumbus' zweiter Reise 1493 in die Karibik. Um 1520 begann dort die kommerzielle Zuckerproduktion, rund 130 Jahre später auf Barbados der Rum.

Vom Indischen Ozean ans Mittelmeer

Lange bevor jemand in der Karibik Rum brannte, kauten Menschen in Neuguinea Zuckerrohr. Von dort wanderte die Pflanze nach Süd- und Südostasien. In Indien lernten Menschen, den Saft einzukochen, bis er zu festen Brocken erstarrte. Das Sanskrit-Wort für solche Körner, śarkarā, steckt über viele Umwege noch im deutschen Wort Zucker.

Über Persien gelangte das Wissen in die arabische Welt. Mit den arabischen Eroberungen kam das Rohr ins Mittelmeer: nach Ägypten, Zypern, Sizilien und Andalusien. In Europa blieb Zucker trotzdem über Jahrhunderte ein teures Gewürz, eher in Apotheken als in Küchen zu finden. Die Anbaugebiete am Mittelmeer waren klein, das Klima knapp, das Rohr wuchs dort an seiner Grenze. Die große Ausweitung kam erst, als Seefahrer Inseln im Atlantik erreichten.

Madeira um 1425: der Sprung in den Atlantik

Unter Heinrich dem Seefahrer brachten Portugiesen um 1425 Setzlinge aus Sizilien nach Madeira. Die Insel hatte, was das Rohr brauchte: Wärme, Wasser aus den Bergen und fruchtbare Vulkanerde. Bauern legten an den steilen Hängen Terrassen an, die bis heute poios heißen. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde Madeira zu einem der wichtigsten Zuckerlieferanten Europas, und Zucker verlor langsam den Ruf einer Arznei.

Auf Madeira und später auf den Kanaren und São Tomé entstand das Muster, das die Karibik übernehmen sollte: große Pflanzungen, Mühlen, Siedehäuser und Arbeitskräfte, die man zur Arbeit zwang. Für den Rum ist Madeira bis heute wichtig. Rum da Madeira ist eine geschützte geografische Angabe der EU und muss aus dem Saft von Rohr der Insel stammen.

Kolumbus 1493 und die ersten Zuckermühlen der Karibik

Auf seiner zweiten Reise 1493 nahm Christoph Kolumbus Zuckerrohr mit über den Atlantik, nach gängiger Darstellung Setzlinge von den Kanaren. Auf Hispaniola schlug das Rohr Wurzeln. Um 1520 lief dort die kommerzielle Zuckerproduktion. Portugal baute fast zur selben Zeit in Brasilien große Zuckerpflanzungen auf. Für das Jahr 1532 setzt der Historiker Câmara Cascudo dort die erste Cachaça an, die schriftlichen Belege dafür gelten aber als schwach.

Englische und französische Siedler zogen im 17. Jahrhundert nach. Auf Martinique wuchs Zuckerrohr ab etwa 1640, auf Barbados verdrängte es in den 1640er Jahren Tabak und Baumwolle. Dort fiel der Zuckerrohrbrand erstmals unter dem Namen auf, den wir heute kennen: Als Rum bekannt wurde er im 17. Jahrhundert auf Barbados, wo ein Pflanzer 1651 von Rumbullion schrieb.

Dass das Rohr gerade in der Karibik so gut gedieh, hat mit dem Klima zu tun. Die Inseln liegen im Gürtel der Passatwinde. Eine Regenzeit lässt die Halme schnell wachsen, eine trockenere Jahreszeit lässt sie Zucker einlagern. Vulkanböden wie auf Martinique und Korallenkalk wie auf Barbados boten unterschiedliche, aber fruchtbare Grundlagen. Dazu kam die Lage am Meer: Zucker, Melasse und später Rum ließen sich direkt von der Küste nach Europa und Nordamerika verschiffen.

Warum Zucker und Rum zusammengehören

Zuckerrohr wurde in der Karibik auf Plantagen von versklavten Menschen angebaut und verarbeitet. Ohne diese Zwangsarbeit hätte es die Zuckerwirtschaft der Inseln in dieser Größe nicht gegeben. Die Reise zur Geschichte des Rums behandelt den atlantischen Handel und seine Folgen ausführlich. Hier zählt der Zusammenhang mit dem Rohstoff.

Wo Zucker gesiedet wurde, blieb Melasse übrig, ein dunkler, zäher Sirup, der nicht mehr kristallisierte. Zusammen mit Schaum und Abfällen aus den Siedehäusern ließ sie sich vergären und brennen. So wurde aus einem Abfall eine Handelsware. Der Weg des Zuckerrohrs erklärt darum, warum Rum fast überall dort entstand, wo Zucker gemacht wurde, und warum die meisten Rums bis heute aus Melasse stammen.

Kurz unterschieden

Arrak
Asiatischer Brand, teils mit Zuckerrohr, teils mit Reis oder Palmsaft. Er ist älter als der Name Rum, fällt aber nicht unter dessen EU-Definition.
Cachaça
Brasiliens Zuckerrohrbrand aus frischem Saft. Seine Anfänge werden um 1532 vermutet, rechtlich ist er heute eine eigene, Brasilien vorbehaltene Bezeichnung.
Rum da Madeira
Rum aus dem Saft von Rohr, das auf Madeira seit etwa 1425 wächst. Er ist eine geschützte geografische Angabe der EU.

Dazu im Lexikon

Was ist Rum? Die GrundlagenCachaça: Brasiliens ZuckerrohrbrandRum aus Barbados, Kuba und Guyana
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