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Degorgierdatum und Herstellungsdatum: Wie alt ist mein Sekt?
Wie alt ein flaschenvergorener Sekt ist, verrät am besten das Degorgierdatum, also der Tag, an dem die Hefe aus der Flasche kam. Vorgeschrieben ist es in der EU nicht. Viele Winzer und einige Häuser drucken es freiwillig auf das Rückenetikett, andere verstecken es in einem Code.
Jahrgang, Tirage, Degorgieren: drei Daten im Leben einer Flasche
Im Leben eines flaschenvergorenen Schaumweins gibt es drei wichtige Daten. Das erste ist die Lese, sie steckt im Jahrgang, falls einer auf dem Etikett steht. Das zweite ist die Tirage, auf Französisch auch mise en cave. Gemeint ist die Abfüllung des Grundweins mit Zucker und Hefe in die Flasche, mit der die zweite Gärung beginnt. Das dritte ist das Degorgieren. Dabei wird der Hefepfropfen aus dem Flaschenhals entfernt, und die Flasche bekommt Dosage und Korken.
Die Spanne zwischen Tirage und Degorgieren ist das Hefelager. Die Zeit seit dem Degorgieren ist die Reife unter dem Korken. Beide prägen den Geschmack auf unterschiedliche Weise. Beim tankvergorenen Sekt und beim Prosecco gibt es kein Degorgieren, dort zählt nur, wann der Wein abgefüllt wurde. Weil auch das selten auf dem Etikett steht, bleibt bei solchen Weinen oft nur der Jahrgang, sofern der Erzeuger einen angibt.
Was muss auf dem Etikett stehen – und was nicht?
Pflicht ist bei Schaumwein unter anderem die Geschmacksangabe, also Brut, Extra Dry oder Trocken. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum muss nicht darauf, ein Degorgierdatum ebenfalls nicht. Der Jahrgang ist freiwillig, außer bei Weinen, deren Regeln ihn verlangen. Ein Winzersekt muss Rebsorte und Jahrgang nennen, Cava ab der Stufe Reserva trägt immer einen Jahrgang. Beim Jahrgangschampagner steht die Jahreszahl nach dem Regelwerk der Appellation sogar zusätzlich auf dem Korken.
Auf fast jeder Flasche findet sich außerdem eine Loskennzeichnung, meist eine kurze Zeichenfolge, die mit einem L beginnt. Sie dient der Rückverfolgung bei Rückrufen. Manche Erzeuger verschlüsseln darin das Abfüll- oder Degorgierdatum, eine einheitliche Regel dafür gibt es aber nicht. Wer es genau wissen will, kann beim Erzeuger nachfragen. Viele Winzer geben die Daten gern heraus, weil sie selbst auf langes Hefelager stolz sind.
Codes und Rückenetiketten: Krug ID und Co.
Das Champagnerhaus Krug druckt seit 2011 einen sechsstelligen Code auf das Rückenetikett seiner Grande Cuvée, die Krug ID. Gibt man ihn auf der Website des Hauses ein, erfährt man, welche Ernten in der Mischung stecken. Die ersten drei Ziffern verraten nach Darstellung der Weinkritikerin Jancis Robinson auch das Degorgieren: Sie nennen Quartal und Jahr. Eine 310 am Anfang steht demnach für das dritte Quartal 2010.
Andere Häuser und viele Winzer schreiben das Datum offen aufs Etikett, oft als „degorgiert im März 2025“ oder französisch dégorgé en. Manche geben stattdessen das Jahr der Tirage an, also den Beginn des Hefelagers. Bei Bollinger R.D., einem spät degorgierten Champagner, gehört das Datum sogar zum Konzept. Für den Käufer gilt: Je mehr Daten auf der Flasche stehen, desto besser lässt sich ihr Alter einschätzen.
Was das Degorgierdatum für Kauf und Lagerung bedeutet
Zwei Flaschen derselben Marke ohne Jahrgang können deutlich verschieden schmecken, wenn zwischen ihren Degorgierdaten zwei Jahre liegen. Die frisch degorgierte wirkt straffer und fruchtiger, die ältere runder, mit mehr Noten von Toast und Nuss. Keine von beiden ist falsch. Wer einen frischen Stil sucht, greift zum jüngeren Datum. Wer gereifte Aromen mag, kann ältere Flaschen gezielt aussuchen oder selbst einige Zeit liegen lassen.
Sehr frisch degorgierte Weine brauchen manchmal etwas Ruhe. Viele Häuser lagern ihre Flaschen nach dem Degorgieren deshalb noch einige Wochen oder Monate, bevor sie in den Handel gehen. Für die eigene Lagerung hilft ein einfacher Trick: Kaufdatum und, falls bekannt, Degorgierdatum mit einem Stift auf den Karton schreiben. So weiß man auch nach Jahren noch, wie lange eine Flasche schon unter dem Korken liegt.