
Unter drei bar
Secco, Frizzante, Perlwein: Warum sind sie günstiger?
Secco und Frizzante sind meist Perlweine mit 1 bis 2,5 bar Druck, rechtlich also kein Schaumwein. Sie brauchen weder dickes Sektglas noch Drahtkorb und keine Mindestzeit auf der Hefe. In Deutschland fällt auf sie keine Schaumweinsteuer an, solange sie unter 3 bar bleiben und ohne Sektverschluss verkauft werden.
Secco und Frizzante: Was steckt rechtlich dahinter?
Im Supermarktregal stehen sie oft direkt neben dem Sekt, in ähnlichen Flaschen und mit ähnlichem Prickeln. Rechtlich gehören Secco und Frizzante aber meist zu einer anderen Kategorie, dem Perlwein. Seine Kohlensäure erzeugt einen Druck von 1 bis 2,5 bar, Schaumwein beginnt erst bei 3 bar. Frizzante ist das italienische Wort für perlend, Secco ein in Deutschland verbreiteter Handelsname.
Gerade Secco führt leicht in die Irre. Auf Italienisch heißt secco trocken, und auf Schaumweinetiketten steht secco für die Zuckerstufe Dry mit 17 bis 32 Gramm je Liter. Ein Prosecco Spumante mit dem Aufdruck Dry ist also Schaumwein und schmeckt merklich süß. Ein deutscher Secco ist dagegen meist ein Perlwein, über dessen Süße erst die Geschmacksangabe auf dem Etikett Auskunft gibt.
Für Perlwein gelten bei der Süße die Begriffe des Stillweins: trocken, halbtrocken, lieblich und süß. Lieblich gibt es beim Schaumwein nicht, dort heißt die süßeste Stufe mild. Schon dieses Wort auf dem Etikett verrät also, in welcher Kategorie ein Wein steckt.
Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure: Wie entstehen die Bläschen?
Perlwein kann seine Kohlensäure aus der Gärung beziehen. Dann gärt der Wein im geschlossenen Drucktank, und die Kellerei füllt ihn ab, bevor der Druck über 2,5 bar steigt. Das EU-Recht kennt daneben den Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure: Hier wird Kohlendioxid ganz oder teilweise in einen fertigen Stillwein eingeleitet. Bei günstigen Seccos ist das häufig der Fall.
Eine Mindestzeit auf der Hefe, wie sie für Qualitätsschaumwein gilt, schreibt das EU-Recht für Perlwein nicht vor. Hier liegt ein großer Kostenunterschied zum Sekt, der mindestens sechs Monate Herstellungszeit im Tank oder neun Monate in der Flasche braucht. Kürzere Herstellung bedeutet weniger belegte Tanks, weniger gebundenes Geld und einen schnelleren Verkauf.
Warum hat Frizzante oft einen Bindfaden statt Drahtkorb?
Bei 2,5 bar reicht ein einfacherer Verschluss. Viele italienische Frizzante sind deshalb mit einem Korken verschlossen, den eine Schnur hält, dem spago. Andere tragen einen Schraubverschluss oder einen Kronkorken. Für Schaumwein mit rund 6 bar wäre das zu wenig: Sektflaschen brauchen dickes Glas, einen pilzförmigen Korken und einen Drahtkorb, die Agraffe. Auch die leichtere Flasche spart Geld.
Der Bindfaden hat zudem einen steuerlichen Grund. In Deutschland unterliegt Perlwein nicht der Schaumweinsteuer, solange er unter 3 bar bleibt und nicht mit Schaumweinstopfen und Haltevorrichtung verschlossen ist. Ein Drahtkorb würde einen Frizzante also steuerlich zum Schaumwein machen. Für jeden Sekt fällt die Steuer dagegen immer an, gleich wie er verschlossen ist. Schon dadurch ist der Abstand im Regal sichtbar.
Ist Perlwein schlechter als Sekt?
Günstiger heißt nicht automatisch schlechter. Perlwein verfolgt einen anderen Zweck: leicht, frisch und fruchtbetont, mit einem sanften Prickeln, das am Gaumen weniger kitzelt als die kräftige Perlage eines Sekts. Auch viele Pét-Nats, die aus einer einzigen Gärung entstehen, liegen im Perlweinbereich und kommen von kleinen, sehr sorgfältig arbeitenden Winzern.
Weniger Druck bedeutet allerdings, dass die Kohlensäure im Glas schneller entweicht. Eine kalte Flasche hält sie besser gelöst, angebrochene Flaschen bleiben gut verschlossen im Kühlschrank länger frisch. Wer Perlwein und Sekt vergleicht, sollte wissen: Der Preisunterschied erklärt sich weniger aus der Qualität der Trauben als aus Druck, Verschluss, Herstellungszeit und Steuer.