
Europa im Überblick
Sekt aus Österreich, England, Portugal: Europas Schaumweinländer
Neben Frankreich, Italien und Spanien haben mehrere Länder eigene Schaumweinregeln: Österreich eine Sekt-Pyramide mit drei Stufen, England die geschützte Herkunft Sussex, Portugal mit Távora-Varosa eine eigene Schaumwein-Herkunft. Dazu kommen große Sektkellereien in Ungarn und Tschechien.
Österreichischer Sekt g.U.: Klassik, Reserve, Große Reserve
Seit Ende 2016 regelt eine eigene Verordnung den österreichischen Sekt mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Ohne eine der drei Stufen darf kein Sekt g.U. verkauft werden. Die Basis heißt Klassik: Die Trauben stammen aus einem Bundesland, der Sekt liegt mindestens neun Monate auf der Hefe und darf nach jeder Methode entstehen, also auch im Tank. In den Handel kommt er frühestens am 22. Oktober des Jahres nach der Ernte.
Reserve und Große Reserve verlangen Handlese, Ganztraubenpressung und traditionelle Flaschengärung. Reserve braucht mindestens 18 Monate auf der Hefe, Große Reserve 30 Monate und Trauben aus einer einzigen Gemeinde. Beide dürfen höchstens 12 Gramm Zucker je Liter haben, sind also Brut oder trockener. Ein Sekt ohne g.U. aus Grundweinen beliebiger Herkunft bleibt trotzdem erlaubt und ist weit verbreitet. Als Pionier gilt die Kellerei Schlumberger, gegründet 1842, mit dem ersten österreichischen Sekt nach traditioneller Methode.
Englischer Schaumwein: Sussex, Kent und die Champagnersorten
Im Süden Englands ist in wenigen Jahrzehnten eine Schaumweinlandschaft entstanden. Die führenden Erzeuger setzen meist auf die Champagnersorten Chardonnay, Pinot noir und Meunier und auf traditionelle Flaschengärung. Nyetimber bewirtschaftet 425 Hektar in West Sussex, Kent und Hampshire und war der erste englische Erzeuger, der nur mit diesen drei Sorten arbeitete. Chapel Down in Kent gilt als größter Produzent des Landes.
Seit 2022 ist Sussex eine geschützte Ursprungsbezeichnung des Vereinigten Königreichs. Für Schaumwein unter diesem Namen gelten laut Fachpresse traditionelle Flaschengärung, mindestens 12 Monate auf der Hefe und 15 Monate bis zum Verkauf. Wie ernst die Champagne diese Konkurrenz nimmt, zeigt Taittinger: Das Haus pflanzte in Kent Reben und brachte im April 2025 die ersten Flaschen seiner Domaine Evremond heraus.
Portugal: Espumante aus Távora-Varosa und Bairrada
Im Norden Portugals entstand 1989 die erste Herkunft des Landes nur für Schaumwein, die DO Távora-Varosa. Portugiesisch heißt Schaumwein Espumante. Die bekannteste Marke der Region ist Raposeira. Das Gebiet liegt im bergigen Hinterland, weit weg von der Küste.
Mengenmäßig wichtiger ist die Bairrada zwischen Porto und Coimbra. Laut Fachquellen stammen von dort rund zwei Drittel des zertifizierten portugiesischen Espumante, und die Stadt Anadia nennt sich Hauptstadt des Espumante. Verwendet werden einheimische Sorten wie die rote Baga sowie die weißen Bical, Maria Gomes und Arinto. Gerade diese Sorten unterscheiden den Espumante von den Champagnersorten Englands.
Weitere Schaumweinländer: Ungarn, Tschechien und ein Blick nach Übersee
In Mitteleuropa haben große Sektkellereien eine lange Tradition. József Törley gründete 1882 in Budafok bei Budapest eine Kellerei, die heute Marktführer in Ungarn ist und zur deutschen Henkell-Gruppe gehört. In Tschechien produziert Bohemia Sekt in Starý Plzenec, seit 1999 mehrheitlich ebenfalls im Besitz von Henkell. Deutschland selbst war laut OIV 2018 mit 3,2 Millionen Hektolitern der größte Schaumweinmarkt der Welt nach Menge, rund 17 Prozent des Weltverbrauchs.
Außerhalb Europas sind zwei Bezeichnungen wichtig. In Südafrika steht Méthode Cap Classique, eingeführt 1992 vom Erzeugerverband, für Flaschengärung; ab dem Jahrgang 2019 verlangt der Verband mindestens 12 Monate auf der Hefe. Eine Herkunft ist das nicht, sondern eine Verfahrensbezeichnung. In Brasilien wurde Altos de Pinto Bandeira im November 2022 laut Fachpresse die erste Herkunft der Neuen Welt nur für Schaumwein, mit traditioneller Methode und mindestens 12 Monaten auf der Hefe.