
Kühl und schmal
Gläser
Bei Gamay kommt es auf die Form des Glases mehr an. Das gilt hier mehr als bei den meisten anderen Rotweinen. Die Sorte ist hell in der Farbe, arm an Tannin und reich an feinen, flüchtigen Düften. Ein großer, bauchiger Burgunderkelch, wie man ihn für schwere Weine nimmt, verteilt diese Düfte über eine Fläche, die für Gamay zu weit ist; ein Teil davon verflüchtigt sich, bevor die Nase ihn überhaupt erreicht.
Besser fährt man mit einem kleineren, schmaleren Kelch, ähnlich dem offiziellen Verkostungsglas der INAO. Die enge Öffnung hält die Aromen zusammen. Der schmale Bauch gibt dem Wein trotzdem genug Kontakt mit Luft, um sich zu öffnen. Nebeneffekt: In einem kleinen Glas bleibt der Wein länger kühl. Genau darauf kommt es bei Gamay besonders an.
Die Trinktemperatur unterscheidet sich stark zwischen den Beaujolais-Stufen. Das gilt stärker als bei den meisten anderen Rotweinen Frankreichs. Beaujolais Nouveau schmeckt bei zwölf Grad am besten, kühlschrankkalt fast wie ein Weißwein. Ein einfacher Beaujolais oder Beaujolais-Villages liegt bei dreizehn bis vierzehn Grad, während die strukturierteren Crus wie Moulin-à-Vent, Morgon oder Juliénas fünfzehn bis siebzehn Grad vertragen — bei Flaschen über drei Jahren darf es sogar die obere Grenze sein.
Ein häufiger Fehler: den Wein eine ganze Nacht im Kühlschrank lassen. Nach mehr als einer Stunde wirkt Gamay dort stumpf. Seine Frucht zieht sich zurück, und am Ende schmeckt er nach kaum mehr als Säure. Zwanzig Minuten im Eiskübel reichen für die meisten Flaschen völlig aus, und wer keinen zur Hand hat, kühlt notfalls mit ein paar Eiswürfeln direkt im Glas — bei einem Wein, der ohnehin auf Frische setzt, ist das kein Frevel, sondern folgerichtig.