
Banane, Kirsche, Veilchen
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Die Farbe verrät die Sorte, bevor man das Glas überhaupt gehoben hat. Beaujolais ist heller als fast jeder andere Rotwein, oft mit einem violetten Schimmer am Rand. Grund dafür ist die dünne Schale: Sie gibt nie sehr viel Farbstoff an den Wein ab. Das ist kein Mangel, sondern die Handschrift der Sorte.
Riech als Erstes ohne zu schwenken. Bei einem jungen Beaujolais Nouveau steigt fast immer Banane auf, manchmal auch Fruchtgummi oder Bonbon — beides kommt vom Verfahren, nicht von der Traube, ein Nebenprodukt der Kohlensäuregärung aus der vorigen Station. Nach ein paar Sekunden Schwenken tritt Kirsche hervor. Bei manchen Weinen kommt auch ein Hauch Veilchen dazu, besonders ausgeprägt bei Fleurie, das deshalb den Beinamen Reine des Crus trägt.
Im Mund ist Gamay ein Wein der Säure, nicht des Tannins. Der raue Belag am Zahnfleisch, den man von kräftigen Rotweinen kennt, bleibt hier meist schwach. Die Säure dagegen zieht seitlich an der Zunge und lässt den Speichel fließen. Genau diese Kombination, wenig Gerbstoff, viel Säure, mittlere Fülle, macht den Wein so leicht trinkbar. Gleichzeitig ist er so schwer zu übersehen, sobald man einmal weiß, worauf man achten soll.
Ein paar Crus brechen mit dieser Leichtigkeit, wenn man ihnen Zeit gibt. Ein gut gelagerter Morgon verändert sich nach fünf, sechs Jahren so stark. Kenner haben dafür ein eigenes Wort erfunden: er morgonnt. Die Fruchtnoten treten zurück, dunklere, erdige Töne kommen dazu, die eher an einen gereiften Pinot Noir aus dem benachbarten Burgund erinnern als an den fruchtigen Gamay, den man vom November kennt.
Am Abgang erkennt man den Unterschied zwischen einem einfachen Beaujolais und einem ernsthaften Cru am deutlichsten. Ein Nouveau ist nach drei, vier Sekunden vorbei, was zu seinem Zweck passt: schnell trinken, nicht lange nachdenken. Ein Moulin-à-Vent dagegen hält den Geschmack manchmal eine halbe Minute, mit Kirsche am Anfang und einer leicht mineralischen, fast rauchigen Note am Ende, die an den Granit erinnert, aus dem er kam.