
Kiesterrassen & Causse
Böden
Grab in einem Weinberg an der ersten Terrasse über dem Lot ein Loch. Weit kommst du nicht. Schon nach wenigen Spatenstichen klappern runde, faustgroße Kieselsteine gegen das Werkzeug — Geröll, das der Fluss vor rund zwanzigtausend Jahren hier liegen ließ, als sein Bett noch viel höher lag als heute.
Der Lot hat sich seither immer tiefer eingegraben und dabei drei Terrassenstufen hinterlassen, jede ein eigenes Zeitfenster. Ein Fluss, drei Zeiten. Die älteste und höchste ist rund fünfhunderttausend Jahre alt und heute mit grobem Kalkschutt bedeckt. Die mittlere, gut zweihunderttausend Jahre alt, trägt dichte Schichten aus abgerundetem Kies. Die jüngste, kaum zwanzigtausend Jahre alt, liegt direkt am heutigen Flusslauf und besteht aus sandigem, feinerem Material. Drei Böden, ein Fluss, und Winzer wählen ihre Parzellen genau danach aus.
Diese Kiesel speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab, was die Reife beschleunigt. Wasser läuft zwischen ihnen schnell ab, und der Rebstock muss seine Wurzeln tief hinunterschicken, um überhaupt etwas zu finden. Genau das zählt. Das presst kleine, konzentrierte Beeren aus der Pflanze — und mehr Schale bedeutet bei Malbec vor allem eines: noch mehr von der Farbe, die den vin noir so schwarz macht.
Hoch über dem Tal beginnt ein völlig anderer Boden. Nichts geht hier leicht. Der Causse, ein karges Kalkplateau zwischen zweihundertfünfzig und dreihundertfünfzig Metern, hat kaum Erde über dem nackten Fels. Reben graben sich hier meterweit durch Spalten im Gestein, holen sich, was an Feuchtigkeit übrigbleibt, und ergeben strengere, mineralischere Weine als die Kiesterrassen unten am Fluss.
In Madiran wiederum wechseln sich zwei Böden auf engstem Raum ab: kalkhaltiger Ton auf den Hügeln und Boulbène im Tal, ein feiner, schwer durchlässiger Schluffboden, der im Winter nasse Füße macht und im Sommer knochentrocken wird. Beide bleiben karg. In Jurançon schließlich liegt vielerorts nur eine dünne Erdschicht über dem Poudingue, einem verkitteten Konglomerat aus abgerundeten Kalksteinen, die einst von den Pyrenäen heruntergespült wurden. Dieser Fels bricht kaum. Er hält aber genug Wasser, um Petit Manseng über einen ganzen Herbst hinweg reifen zu lassen.
Dünne dunkle Auflage aus Laub und Gräsern über der Kiesterrasse. Nach starkem Regen ist sie rasch wieder trocken, weil das Wasser sofort in die Steine darunter absackt.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln sitzen hier und trinken zuerst — bei jedem trockenen Sommer sind sie als Erste erschöpft.