
Barro & Kalkmergel
Böden
Grab in einem Weinberg bei Anadia ein Spatentief, und du landest in feuchtem, rötlich-braunem Lehm. Die Bauern hier nennen ihn barro. Tatsächlich hat die ganze Region ihren Namen wohl von diesem Boden: eine Gegend voller Ton. Anders als der trockene Schiefer vieler Weinregionen speichert barro Wasser wie ein Schwamm, genau das braucht eine Sorte wie Baga, die den ganzen Sommer über durchhalten muss, ohne dass es regnet.
Entstanden ist dieser Ton vor gut hundertfünfzig Millionen Jahren, im Jura, als hier noch ein flaches Meer lag. Kalkschlamm und Algenreste setzten sich Schicht für Schicht ab, verdichteten sich zu Kalkstein und Mergel. Wo beide sich abwechselten, blieben feine, oft nur zentimeterdicke Bänder zurück, die man in Straßenanschnitten bei Cantanhede noch heute sehen kann. Das Gesetz beschreibt die zugelassenen Böden nüchtern als kalkhaltig, braun oder rötlich, Winzer sagen einfach barro dazu.
Für die Rebwurzel bedeutet dieser Ton harte Arbeit. Sie kommt kaum quer voran, drückt sich aber in die Tiefe, wo Feuchtigkeit auch im August noch vorhanden ist. Das erklärt, warum Baga trotz ihrer dicken Schale so viel Säure behält: Die Rebe muss nie hungern. Sie verliert also nie die Frische, die ihr sonst beim Reifen verloren ginge. An sandigeren Stellen näher der Küste, wo das Gestein weniger Ton und mehr lockeres Material enthält, reifen die Trauben dagegen schneller und liefern weichere, zugänglichere Weine.
Kein Weinberg in der Bairrada hat nur eine Bodenart. Kalklehm, sandiger Podsol und dünne Verwitterungsschichten liegen oft nebeneinander, manchmal innerhalb weniger Meter. Das erklärt, warum Winzer in Anadia oder Sangalhos so unterschiedliche Weine aus derselben Rebsorte keltern. Ein Boden allein macht keinen Wein. Wer das glaubt, hat die Bairrada nicht verstanden.
Dunkler, sandig-lehmiger Humus mit organischem Anteil aus verrottetem Rebschnitt und Gras.
Die Wurzel: Feinwurzeln holen hier Wasser nach jedem Regen und sind nach wenigen trockenen Wochen ausgeschöpft.