Verkosten in der Region Deutschschweiz

Zwischen Kirsche & Quitte

Verkosten

Wer zum ersten Mal einen Blauburgunder aus der Bündner Herrschaft im Glas hat, sieht zuerst, wie hell die Farbe für einen Rotwein ausfällt. Der Rand schimmert bei jungen Jahrgängen leicht violett und wandert mit dem Alter ins Ziegelrote. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist einfach die Sorte, egal ob sie in Burgund oder am Rhein bei Fläsch wächst.

Riech zweimal: einmal im ruhigen Glas, einmal nach dem Schwenken. Im ruhigen Glas kommt zuerst rote Frucht, Kirsche und Himbeere, weil diese leichten Duftstoffe am schnellsten verdunsten. Nach dem Schwenken folgt, was länger braucht. Bei einem gereiften Blauburgunder aus dem Klettgau kommt oft ein Hauch Pilz oder feuchtes Laub dazu, bei einem jungen eher Kräuter vom Waldrand.

Im Mund achte getrennt auf Säure und Tannin. Die Säure spürst du seitlich an der Zunge. Sie hält den Wein trotz der zurückhaltenden Farbe lebendig, und gerade in dieser nördlichen Lage fällt sie oft höher aus als bei südlicheren Pinots. Das Tannin dagegen ist ein Gefühl, kein Geschmack, ein feiner Belag am Zahnfleisch, der bei jungen Weinen aus der Bündner Herrschaft angenehm samtig bleibt statt zu kratzen.

Zum Vergleich lohnt ein Räuschling aus demselben Jahrgang, vom Zürichsee statt vom Rhein. Er ist blassgelb, fast durchsichtig. Er riecht nach Zitrone und nassem Kieselstein und hat kein Tannin, dafür umso mehr Säure — ein völlig anderer Wein aus derselben Landschaft.

Und dann, wer die Gelegenheit hat, Completer. Kräftig im Glas, goldgelb bis bernsteinfarben, mit einem Duft nach reifem Apfel, Quitte und Honig, der mit dem Alter noch Bienenwachs und Trockenfrüchte dazubekommt. Am Gaumen trägt eine ausgeprägte Säure die vierzehn Volumenprozent mühelos. Die Länge bleibt zwanzig, dreißig Sekunden im Mund, während man noch überlegt, wie eine Rebe aus Malans so weit weg von jedem mediterranen Klischee schmecken kann.

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