Gläser in der Region Jumilla

Tannin trifft Alkohol

Gläser

Ein Monastrell aus Jumilla bringt zwei Eigenschaften mit, die kaum eine andere Rebsorte in dieser Kombination zeigt: viel Alkohol und viel Tannin gleichzeitig. Das Glas muss beides ausgleichen. Sonst kippt der Wein entweder ins Scharfe oder ins Adstringierende, jenen pelzigen Belag, den man nach einem Schluck am Zahnfleisch spürt.

Deshalb braucht dieser Wein Raum, aber nicht grenzenlos viel. Ein weites Burgunderglas legt zu viel Oberfläche frei, und der Alkohol steigt einem regelrecht entgegen, bevor die Frucht überhaupt zum Zug kommt. Besser passt ein Kelch mit ordentlichem, leicht bauchigem Volumen und einer Öffnung, die sich wieder verengt. Groß genug, damit sich die dunklen Fruchtaromen und die balsamischen Noten entfalten, eng genug, um den Alkoholdampf zu bremsen, statt ihn nach oben zu trichtern.

Bei der Temperatur überrascht Jumilla die meisten. Wer wegen der Hitze im Anbaugebiet einen warm servierten Wein erwartet, irrt sich. Gerade weil Monastrell oft vierzehn bis fünfzehn Prozent Alkohol erreicht, sollte das Glas eher kühl eingeschenkt werden. Sechzehn Grad etwa, sonst schmeckt der Wein brennend statt fruchtig. Eine halbe Stunde im Kühlschrank reicht meist, um von Zimmertemperatur dorthin zu kommen.

Beim Dekantieren lohnt sich ein Blick aufs Etikett. Ein junger, unkomplizierter Jumilla verträgt die Karaffe, braucht sie aber nicht zwingend. Ein alter Pie Franco von wurzelechten Stöcken dagegen, gereift über Jahre in der Flasche, hat oft Bodensatz und ein dichtes, geschlossenes Bouquet. Eine Stunde Luft öffnet ihn spürbar, bevor das erste Glas eingeschenkt wird. Gefüllt wird ohnehin nur bis zur breitesten Stelle, nie höher, sonst bleibt kein Raum mehr, in dem sich all das entfalten kann. Mehr braucht ein Monastrell aus Jumilla nicht.

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