
An einem Monastrell
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Nimm ein Glas Jumilla Monastrell und halte es vor etwas Helles. Ein junger Wein wirkt oft fast undurchsichtig, ein tiefes Blauviolett, durch das kaum Licht dringt — die Folge dicker Schalen und eines Sommers voller Sonne. Erst nach Jahren wandert die Farbe am Rand ins Ziegelrote, während die Mitte lange dunkel bleibt.
Riech zweimal statt nur einmal. Im ruhigen Glas kommt zuerst reife, dunkle Frucht: Pflaume, Brombeere, manchmal Heidelbeere, dicht und warm wie überreifes Obst in der Mittagssonne. Schwenk das Glas, und eine zweite Ebene öffnet sich darunter — Thymian und Rosmarin, ein Hauch Leder, schwarzer Pfeffer, bei älteren Jahrgängen sogar Kakao. Manche Winzer sprechen von einem wilden, fast animalischen Unterton, der bei Monastrell öfter vorkommt als bei den meisten anderen Rotweinsorten.
Im Mund trifft zuerst das Volumen. Der Wein füllt den ganzen Gaumen, fleischig und dicht, bevor die Gerbstoffe überhaupt greifen. Sie sind reif und rund, nicht kantig — ein Effekt der intensiven Sonne, die Tannine schneller ausreifen lässt als in kühleren Weinbergen. Die Säure hält im Hintergrund mit, spürbar, aber nie dominant, und der Alkohol, oft bei vierzehn oder fünfzehn Prozent, sorgt für spürbare Wärme im Rachen.
Schluck herunter und zähl. Wie lange bleibt Geschmack zurück, nachdem alles andere schon weg ist? Bei einem guten Jumilla sind das zwanzig Sekunden und mehr, dunkle Frucht, die langsam in Gewürz übergeht. Diese Länge kommt nicht aus dem Keller. Sie kommt aus kleinen, konzentrierten Beeren, die ein trockener Sommer auf dem Altiplano über Monate zusammengepresst hat, bevor überhaupt eine Traube geerntet wurde.