Böden in der Region Penedès

Kalk, Mergel, Meer

Böden

Grab in einem Weinberg bei Sant Sadurní d'Anoia ein Loch. Du landest schnell in einer Geschichte, die älter ist als jede Rebe: Meeresboden. Was heute Weinberg ist, lag vor sechzehn Millionen Jahren unter Wasser. Die Schicht darunter ist noch heute voller Fossilien — Schneckenhäuser, Muscheln, Austern, eingebacken in Sandstein und Kalkmergel.

Direkt unter der dünnen Humusschicht liegt fast überall Mergel: eine feste Mischung aus Ton und Kalkstein, gelblich-grau, die in kleinen Knötchen Karbonat einlagert. Eine Rebwurzel tut sich hier schwer. Der Ton hält Wasser fest und lässt sich kaum durchdringen. Deshalb wächst kaum eine Wurzel gerade nach unten — sie sucht sich Risse und braucht dafür Jahre.

Wer trotzdem tief genug kommt, wird belohnt. Unter dem Mergel liegt die eigentliche Meeresschicht, ein loses Gemenge aus Sandstein, Kalkarenit und feinem Schlamm, in dem noch heute Muschelbruch steckt. Sie speichert Wasser wie ein Schwamm und gibt es erst in den trockensten Wochen des Sommers wieder frei, wenn oben längst alles staubig ist.

Dieser Aufbau erklärt, warum die Böden des Penedès insgesamt als arm gelten, und warum genau das ein Vorteil ist. Wenig organisches Material, viel Kalk, kaum Fruchtbarkeit — eine Rebe muss hier arbeiten, um überhaupt an Wasser und Nährstoffe zu kommen. Kleine, konzentrierte Beeren sind das Ergebnis. Reichere Böden weiter unten im Tal bringen mehr Menge, aber selten mehr Tiefe im Glas.

Ein Irrtum hält sich auch hier: Man liest oft, Kalk schmecke man im Wein direkt heraus, als Mineralität. Das stimmt so nicht — was die Wurzel aus dem Gestein holt, sind gelöste Mineralstoffe in derart winzigen Mengen, dass keine Zunge sie einzeln erkennen könnte. Was wirkt, ist der Umweg: die Wärme, die heller Kalk speichert, und das Wasser, das Mergel und Meeresschicht festhalten oder abgeben. Genau dieser Umweg prägt Xarel·lo und Parellada mehr als jede einzelne Zahl im Bodenlabor.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Rebholz und Kräutern zwischen den Reihen.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die nach jedem Regen zuerst trinken — und als Erste durstig sind.

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