
Tulpe statt Flöte
Gläser
Die Flöte hält die Perlage zwar lange zusammen, aber für einen guten Cava ist sie fast die falsche Wahl. Ihr fehlt der Raum, in dem sich der Duft sammeln kann, und genau der Duft ist bei einem lang gereiften Cava oder Corpinnat das eigentliche Ereignis.
Besser eignet sich eine Tulpe: unten schmal wie die Flöte, damit die Perlage in einer feinen Säule aufsteigt. Die Form entscheidet. In der Mitte ist sie etwas bauchiger, oben wieder enger. Der bauchige Teil sammelt die Aromen aus achtzehn oder mehr Monaten auf der Hefe — Brioche, geröstete Mandel, ein Hauch Toastbrot. Erst dort steigen sie durch die enge Öffnung konzentriert nach oben.
Bei der Temperatur wird am meisten falsch gemacht, auch hier: Sechs bis acht Grad sind richtig für einen jungen, frischen Cava. Ein langgereifter Corpinnat mit viel Hefearoma verträgt eher acht bis zehn, weil zu viel Kälte seine komplexeren Töne einfach zudeckt. Wer die Flasche eine Viertelstunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nimmt, liegt meistens richtig.
Für einen stillen Xarel·lo gilt eine andere Regel. Er braucht kein enges Glas, sondern ein mittelgroßes, leicht bauchiges. So können sich Fenchel, Zitrus und die leicht salzige Note am Gaumen entfalten, statt im engen Kelch zusammengedrückt zu werden.
Und dann die Menge. Ein Glas Cava wird nie randvoll eingeschenkt. Sonst bleibt kein Raum für die Aromen, die sich über der Perlage sammeln sollen. Ein Fingerbreit Luft am oberen Rand genügt, um aus einem einfachen Schluck ein ganzes Bouquet zu machen.