
Unterwegs zum Brand
Schnapsbrunnen, Brennersteig, Brennereibesuch: Brand als Ausflug
Schnapsbrunnen sind Holzkästen an Wanderwegen, aus denen man sich gegen Geld in einer Vertrauenskasse ein Glas Obstbrand nimmt. Bekannt sind sie vom Oberkircher Brennersteig im Schwarzwald. Dazu kommen Brennereiführungen, Obstblüte und Hofläden. Wer danach fährt, probiert mit der Nase.
Was ist ein Schnapsbrunnen?
Mit einem Brunnen hat er nur den Namen gemein. Ein Schnapsbrunnen ist ein kleiner Holzschrank oder Kasten am Wegesrand, meist von einer nahen Hofbrennerei bestückt. Darin stehen einige Flaschen Obstbrand, Gläser und eine Kasse. Wer rastet, schenkt sich selbst ein und wirft den Betrag in die Kasse, kontrolliert wird nicht. Das Prinzip lebt vom Vertrauen der Brenner und von der Ehrlichkeit der Wanderer. Es ist zugleich Werbung: Wer ein Kirschwasser mag, findet den Hof oft nur wenige hundert Meter weiter.
Am bekanntesten ist der Oberkircher Brennersteig im Renchtal, ein Rundweg von gut 13 Kilometern durch Obstwiesen, Reben und Wald, an dem mehrere solcher Kästen stehen. Auch andere Schwarzwaldgemeinden haben Schnapswege eingerichtet. Ein Glas zur Rast ist Teil des Erlebnisses, eine Runde an jeder Station nicht. Auf steilen Waldwegen machen Alkohol und Höhenmeter eine schlechte Mischung. Wasser im Rucksack und ein Blick auf die Uhrzeit gehören deshalb zur Planung wie die Wanderkarte.
Warum stehen im Renchtal so viele Brennereien?
Die Antwort liegt fast drei Jahrhunderte zurück. Im Jahr 1726 erlaubte der Straßburger Bischof Armand Gaston de Rohan den Bauern um Oberkirch, überschüssiges Obst zu brennen. 2026 jährte sich dieses Brennrecht deshalb zum 300. Mal. Heute wirbt der Tourismus mit rund 700 Haus- und Hofdestillerien und der höchsten Dichte an Kleinbrennereien in Europa, eine Werbeaussage, die sich schwer nachprüfen lässt. Sicher ist: Kaum irgendwo in Deutschland stehen so viele Brenngeräte auf so wenig Fläche.
Fast alle sind Abfindungsbrennereien. Sie brennen mit Erlaubnis des Hauptzollamts, höchstens 300 Liter reinen Alkohol im Jahr, und die Steuer wird pauschal nach der eingesetzten Obstmenge berechnet. Seit 2018 hängt diese Erlaubnis an der Person, nicht mehr am Hof. Wer keine Erlaubnis hat, darf in Deutschland keinen Alkohol brennen, auch nicht für den Eigenbedarf. Daneben gibt es Stoffbesitzer, die eigenes Obst in einer fremden Abfindungsbrennerei brennen lassen, höchstens 50 Liter reinen Alkohol pro Jahr.
Was erwartet einen bei einer Brennereiführung?
Eine Führung beginnt meist bei den Maischebehältern, in denen das zerkleinerte Obst wochenlang gärt. Danach geht es an die Brennblase aus Kupfer, oft mit einer Kolonne mit mehreren Böden obendrauf, die den Alkohol verstärkt. Gute Brenner erklären, warum sie den Vorlauf mit seinem Geruch nach Lösungsmittel abtrennen und den Nachlauf mit seinen schweren Fuselnoten ebenso. Ins Glas kommt nur der Mittellauf. Zum Schluss stehen Glasballons und Edelstahltanks, in denen der klare Brand ruht.
Am lebendigsten ist ein Besuch in der Brennsaison, meist zwischen Herbst und Frühjahr, wenn die Geräte laufen und es nach Maische und warmem Kupfer riecht. Im April lockt die Obstblüte. Auch außerhalb Deutschlands ist der Brand ein Reiseziel: In der Normandie führt die Route du Cidre durch das Pays d'Auge zu Höfen mit Cidre und Calvados, in der Charente öffnen Cognac-Häuser ihre Lager, und die Wachau verbindet Marillenblüte mit Marillenbrand.
Verkosten und Autofahren: was gilt?
Eine Verkostung mit sechs Bränden zu je einem Zentiliter ergibt zusammen mehr als ein großer Schnaps. In Deutschland ist Fahren ab 0,5 Promille eine Ordnungswidrigkeit. Schon ab 0,3 Promille drohen Strafen, wenn Fahrfehler oder Ausfallerscheinungen hinzukommen. Für Fahranfänger in der Probezeit und alle unter 21 Jahren gilt null Promille. Brennereien kennen das Problem und bieten in der Regel an, nur zu riechen oder winzige Schlucke zu nehmen und den Rest in einen Spucknapf zu geben.
Am entspanntesten reist, wer gar nicht fährt. Viele Brennerwege sind mit Bus oder Bahn erreichbar, und in Gruppen lässt sich eine Fahrerin oder ein Fahrer bestimmen, der nur schnuppert. Die Nase sagt beim Brand ohnehin viel: Frucht, Sauberkeit, Fehltöne. Was gefällt, nimmt man im Hofladen mit und probiert es zu Hause in Ruhe. Ab Hof zu kaufen ist bei Abfindungsbrennereien üblich und oft der einzige Weg an kleine Mengen seltener Sortenbrände.