
Kühl, nicht eisig
Kalt oder Zimmertemperatur? Die richtige Trinktemperatur
Klare Obstbrände schmecken am besten leicht unter Zimmertemperatur; viele Brenner empfehlen etwa 16 bis 18 Grad. Cognac, Weinbrand und andere holzgereifte Brände trinkt man bei Zimmertemperatur. Aus dem Gefrierfach verlieren Brände den größten Teil ihres Duftes, weil Kälte die Aromastoffe zurückhält.
Kalt oder warm: was die Temperatur mit dem Aroma macht
Was wir an einem Brand riechen, sind flüchtige Stoffe, die aus dem Glas aufsteigen. Wie viele davon die Nase erreichen, hängt stark von der Temperatur ab. Je wärmer der Brand, desto mehr verdunstet, und zwar Aromen ebenso wie Alkohol. Je kälter er ist, desto weniger steigt auf.
Daraus ergibt sich ein Fenster. Ist ein Brand zu warm, etwa an einem Sommerabend oder nach langem Halten in der Hand, drängt sich der Alkohol vor und sticht in der Nase. Ist er zu kalt, bleibt er stumm. Er wirkt dann mild, weil auch die Schärfe gedämpft ist, aber er zeigt kaum noch Frucht. Gerade deshalb werden scharfe, einfache Schnäpse gern eiskalt serviert: Die Kälte versteckt ihre Schwächen.
Die richtige Trinktemperatur für Obstbrand und Obstgeist
Für klare Obstbrände nennen viele Brenner eine Trinktemperatur leicht unter dem, was wir als Zimmertemperatur kennen, meist etwa 16 bis 18 Grad. So bleibt die Frucht lebendig, und der Alkohol tritt nicht zu stark hervor. Ein Kirschwasser, ein Williams oder ein Marillenbrand zeigt in diesem Bereich am meisten von seinem Charakter.
Für Obstgeiste wie Himbeergeist gilt dasselbe. Ihr heller, frischer Duft ist empfindlich und verschwindet in der Kälte besonders schnell. Wer eine Flasche aus dem Kühlschrank holt, kann das Glas einige Minuten stehen lassen, bevor er probiert. Ein Brand aus einem kühlen Keller ist dagegen meist schon nah an der richtigen Temperatur.
Bei Grappa ist die Lage etwas anders. Junge, farblose Grappas werden oft etwas kühler serviert als im Holz gereifte. Die Einzelheiten zum Tresterbrand stehen im Kapitel über Grappa, denn Herkunft und Machart verschieben die Empfehlung.
Cognac, Weinbrand, Calvados: Zimmertemperatur und ruhige Hände
Holzgereifte Brände brauchen etwas mehr Wärme. Ihre Aromen aus dem Eichenfass, etwa Vanille, Karamell, Nuss und Trockenfrucht, sind schwerer und entfalten sich bei Zimmertemperatur besser als kühl. Das gilt für Cognac und Armagnac ebenso wie für Weinbrand, Calvados oder einen fassgereiften Obstbrand.
Die alte Gewohnheit, den Schwenker lange in der Hand zu wärmen, ist dabei mit Vorsicht zu genießen. Ein paar Minuten in der Hand können einem kühlen Cognac helfen. Zu viel Wärme lässt dagegen den Alkohol nach oben steigen und deckt die Feinheiten zu. Von früher bekannt ist auch der Brauch, das Glas über einer Kerze anzuwärmen. Für den Geschmack bringt das nichts außer mehr Alkoholdampf, und offenes Feuer neben einem Glas mit 40 Prozent Alkohol ist keine gute Idee.
Gehört Schnaps ins Gefrierfach?
Ein Brand mit 40 Prozent Alkohol gefriert im Gefrierfach eines Haushalts nicht. Er wird nur zähflüssig und eiskalt. Gefährlich ist das nicht, aber für einen guten Obstbrand ist es Verschwendung. Die Kälte hält genau die Aromastoffe zurück, für die der Brenner Obst ausgewählt, eingemaischt und sorgfältig gebrannt hat.
Bei einer Spirituose, die möglichst neutral schmecken soll, wie den meisten Wodkas, mag das anders aussehen. Dort nimmt die Kälte vor allem die Schärfe. Bei einem Brand aus Frucht oder Wein dagegen verliert man mit der Schärfe auch die Frucht. Für die Lagerung gilt eine andere Regel: kühl und dunkel. Steinobstbrände sollten nicht im Licht stehen, weil sich unter Licht aus Spuren von Blausäure das unerwünschte Ethylcarbamat bilden kann.