
Ursprung des Rums
Woher kommt Rum? Von Asien über Madeira nach Barbados
Rum kommt als Name und als Handelsware aus Barbados, wo der Zuckerrohrbrand um 1650 bekannt wurde. Gebrannt wurde aus Zuckerrohr schon früher: in Süd- und Südostasien, auf Madeira und in Brasilien. Erfunden hat ihn niemand an einem bestimmten Ort.
Woher stammt das Zuckerrohr, aus dem Rum entsteht?
Die Geschichte des Rums beginnt lange vor dem ersten Rum, nämlich mit einer Pflanze. Zuckerrohr wurde in Neuguinea domestiziert, also aus Wildformen zu einer Nutzpflanze gemacht, und gelangte von dort nach Süd- und Südostasien. In Indien lernte man, aus dem Saft festen Zucker zu kochen. Über Persien und die arabische Welt kam das Rohr ans Mittelmeer, unter anderem nach Sizilien. Die Spur dieses Weges steckt noch im deutschen Wort Zucker: Es geht über das arabische sukkar auf das altindische śarkarā zurück.
Wann zum ersten Mal vergorener Zuckerrohrsaft destilliert wurde, ist nicht belegt. Sicher ist nur, dass es in Asien früh Brände gab, die unter dem Sammelnamen Arrak liefen. Dahinter standen ganz unterschiedliche Rohstoffe, von Palmsaft über Reis bis zu Zuckerrohr. Ein solcher Arrak ist kein Vorläufer im Sinne einer direkten Linie. Er zeigt aber, dass die Idee, aus Zucker Alkohol und daraus einen Brand zu machen, keine karibische Erfindung war.
Madeira und Brasilien: Zuckerrohrbrand vor dem Rum
Den entscheidenden Schritt nach Westen machten die Portugiesen. Um 1425 brachten sie unter Heinrich dem Seefahrer Setzlinge aus Sizilien nach Madeira. Die Insel wurde im 15. Jahrhundert zu einem der großen Zuckerlieferanten Europas, und aus dem Saft wurde dort auch Branntwein gemacht. Auf den Zuckerfeldern der Atlantikinseln arbeiteten bereits versklavte Menschen, ein Muster, das sich in Amerika in viel größerem Maß wiederholen sollte.
Kolumbus nahm Zuckerrohr auf seiner zweiten Reise 1493 in die Karibik mit, um 1520 lief dort die erste kommerzielle Zuckerproduktion. In Brasilien setzt der Volkskundler Luís da Câmara Cascudo die erste Cachaça um 1532 in São Vicente an. Der Oxford Companion to Spirits nennt die schriftlichen Belege dafür allerdings schwach und verworren. Wer also behauptet, die Cachaça sei sicher älter als der Rum, stützt sich auf eine Überlieferung, nicht auf ein Dokument.
Warum gilt Barbados als Geburtsort des Rums?
Barbados wurde ab 1627 von Engländern besiedelt. In den 1640er-Jahren stellten die Pflanzer von Tabak und Baumwolle auf Zucker um und übernahmen dabei Wissen aus den Zuckerregionen Brasiliens. Beim Kochen von Zucker fällt Melasse an, ein dunkler Sirup, aus dem kein Zucker mehr auskristallisiert. Dazu kam der Schaum aus den Siedekesseln. Beides ließ sich vergären und brennen, statt es wegzuschütten.
Um 1650 war aus diesem Abfallprodukt eine Handelsware geworden, die über die Insel hinaus verkauft wurde, und sie hatte einen eigenen Namen: Rum. Darin liegt der Unterschied zu den älteren Bränden. Barbados hat das Brennen aus Zuckerrohr nicht erfunden, aber dort wurde aus Melasse erstmals in großem Umfang ein Getränk für den Export. Die Brennerei Mount Gay führt ihre Geschichte auf eine Urkunde von 1703 zurück und wirbt mit dem Titel der ältesten bestehenden Rummarke. Das ist eine Herstellerangabe.
Dass der Rum gerade hier zur Ware wurde, hat handfeste Gründe. Barbados ist klein, sein Wald war für die Zuckerkessel schnell abgeholzt, und Holz wie Lebensmittel mussten eingeführt werden. Die Pflanzer brauchten also etwas, das sie gegen Nachschub aus Neuengland und Europa tauschen konnten. Ein haltbarer, starker Brand aus einem Reststoff war dafür ideal. Er ließ sich in Fässern verschiffen und wurde auf Schiffen und in den anderen Kolonien schnell zur gängigen Währung.
Melasse oder Saft: Was die Herkunft über den Rum verrät
Aus der Geschichte erklärt sich eine Unterscheidung, die bis heute den Geschmack bestimmt. Der Rum von Barbados und den meisten britischen und spanischen Kolonien entstand aus Melasse, weil er ein Nebenprodukt der Zuckerfabrik war. Cachaça in Brasilien und der spätere Rhum agricole der französischen Inseln werden dagegen aus frischem Zuckerrohrsaft gebrannt. Saftbrände schmecken grasiger und frischer, Melasserum eher nach Karamell, Trockenfrucht und Gewürz.
Für die Frage, woher Rum kommt, folgt daraus eine einfache Antwort. Zuckerrohrbrände gibt es seit Jahrhunderten an vielen Orten. Als Rum bekannt wurde der Zuckerrohrbrand im 17. Jahrhundert auf Barbados. Rechtlich ist Rum heute in der EU genau beschrieben: ein Destillat aus Melasse, Sirup der Rohrzuckerproduktion oder Zuckerrohrsaft. Cachaça dagegen ist eine eigene, Brasilien vorbehaltene Bezeichnung, auch wenn ihr Rohstoff derselbe ist wie beim Rhum agricole.