
Trester im Osten
Chacha und Törkölypálinka: Tresterbrand in Georgien, Ungarn und auf dem Balkan
Chacha ist der Tresterbrand Georgiens und wurde dort 2011 als erste geografische Angabe des Landes eingetragen. Törkölypálinka ist Ungarns Tresterbrand aus ungarischem Trester. Auf dem Balkan steckt Trester in mancher Rakija, doch viele Traubenbrände dort sind rechtlich Obstbrand oder Weindestillat.
Was ist Chacha? Georgiens Tresterbrand
Georgien gehört zu den ältesten Weinländern der Welt, und wo viel Wein gekeltert wird, bleibt viel Trester. Daraus brennen Georgier seit Generationen Chacha, einen klaren, kräftigen Brand, der in vielen Familien selbst hergestellt und zu Festen gereicht wird. Rohstoff ist Traubentrester, für die geschützte Herkunftsangabe von 2011 ausschließlich.
Am 13. Dezember 2011 wurde Chacha beim georgischen Patentamt Sakpatenti als erste geografische Angabe des Landes registriert. Im EU-Register eAmbrosia steht Chacha nicht. Drittland-Namen können aber über zweiseitige Abkommen in der EU geschützt sein, und das Register zeigt solche Fälle nicht vollständig. Für ein sicheres Urteil über den Schutz in der EU reicht der Blick ins Register deshalb nicht aus.
Mit georgischem Brandy hat Chacha wenig gemein. Brandy, in Georgien etwa vom Haus Sarajishvili seit 1884 hergestellt, wird aus Wein gebrannt und reift in Eiche. Chacha kommt aus dem Trester und wird meist jung und farblos getrunken; gereifte Chacha mit Holzfarbe gibt es, sie bleibt aber die Ausnahme.
Selbst gebrannte Chacha aus dem Familienkeller wird oft sehr stark ausgeschenkt und ist nicht amtlich geprüft. Wer auf Reisen solche Chacha angeboten bekommt, sollte das wissen: Ein ordnungsgemäß hergestellter Tresterbrand hält Grenzwerte für Methanol ein, bei Brand ohne Kontrolle lässt sich das nicht sagen. Im Handel trägt Chacha eine klare Alkoholangabe und stammt aus geprüfter Herstellung.
Törkölypálinka: Ungarns Tresterbrand
In Ungarn denken die meisten bei Pálinka an Brände aus Pflaume, Marille oder Birne. Daneben steht die Törkölypálinka, wörtlich Trester-Pálinka. Ungarn regelt beide im selben Gesetz von 2008, dem Gesetz LXXIII über Pálinka und Törkölypálinka. Danach darf Törkölypálinka nur heißen, was aus in Ungarn gewachsenem Traubentrester nach den EU-Regeln für Tresterbrand gebrannt ist; Gärung, Destillation, Reifung und Abfüllung finden in Ungarn statt.
Trester, dem Zucker zugesetzt wurde, ist ausgeschlossen. Damit unterscheidet sich Törkölypálinka klar von der Pálinka aus Obst, die als Obstbrand gilt. Beide Namen sind im EU-Register als geografische Angaben eingetragen, Törkölypálinka in der Kategorie Tresterbrand, Pálinka in der Kategorie Obstbrand.
Trester auf dem Balkan: Komovica, Loza und Grozdova
Auf dem Balkan heißen fast alle Brände Rakija, und der Sammelname verdeckt die Unterschiede. Ein Brand aus Trester wird dort oft Komovica genannt. Daneben gibt es Brände aus ganzen Trauben oder aus Wein, und gerade bei ihnen hilft ein Blick ins EU-Register. Hrvatska loza, die kroatische Loza, ist dort als Obstbrand eingetragen, nicht als Tresterbrand.
Noch deutlicher zeigt es Bulgarien. Die zehn geschützten bulgarischen Trauben-Rakias, etwa aus Karlovo, Sliven oder Pomorie, stehen im Register in der Kategorie Branntwein, also als Weindestillat. Ein Name mit dem Wort für Traube sagt somit wenig darüber, ob Wein, ganze Trauben oder Trester in den Kessel kamen.
Woran man echten Tresterbrand im Regal erkennt
Bei so vielen Namen hilft der Blick auf die Verkehrsbezeichnung, die rechtlich vorgeschriebene Bezeichnung auf dem Etikett. Steht dort Tresterbrand, Trester oder einer der geschützten Namen wie Grappa, Marc, Orujo, Tsipouro oder Törkölypálinka, ist der Rohstoff Trester. Branntwein oder Weinbrand bedeutet Wein als Rohstoff, Obstbrand ganze Früchte.
Bei Flaschen aus Ländern außerhalb der EU, etwa Chacha aus Georgien, steht diese Angabe für den europäischen Markt meist zusätzlich auf dem Rückenetikett. Fehlt sie oder ist nur von Spirituose die Rede, lohnt Vorsicht: Dann kann auch ein verschnittener Alkohol in der Flasche sein.