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Grappa giovane, invecchiata, riserva, monovitigno: die Sorten
Grappa giovane ist jung und klar, ohne Holzreife. Invecchiata oder vecchia hat mindestens 12 Monate im Holz gelegen, riserva oder stravecchia mindestens 18 Monate. Monovitigno heißt: überwiegend aus dem Trester einer einzigen Rebsorte. Die erste sortenreine Grappa brannte Nonino 1973 aus Picolit.
Grappa giovane und aromatica: jung, klar, nach der Traube
Die meisten Grappe, die in Italien nach dem Essen auf den Tisch kommen, sind jung. Giovane, also jung, oder bianca, weiß, steht auf solchen Flaschen. Sie ruhen nach dem Brennen in Glas oder Edelstahl, kommen nicht ins Holz und bleiben deshalb farblos. Im Glas zeigen sie, was der Trester mitgebracht hat: Traubenschale, frisches Heu, manchmal Mandel oder Birne, dazu eine deutliche Schärfe des Alkohols.
Als aromatica gilt eine Grappa aus dem Trester duftstarker Rebsorten. Dazu zählen Moscato, Traminer oder Malvasia, deren Schalen besonders viele blumige Duftstoffe tragen. Eine junge Moscato-Grappa riecht oft so deutlich nach Rosen und frischen Trauben, dass Einsteiger sie für gesüßt halten. Das ist sie in der Regel nicht; es ist die Rebsorte.
Grappa invecchiata und riserva: was 12 und 18 Monate bedeuten
Bernsteinfarbene Grappa hat Zeit im Holz verbracht, und dafür schreibt Italien feste Mindestzeiten vor. „Vecchia“ oder „invecchiata“, also gealtert, darf eine Grappa heißen, die mindestens 12 Monate in Holzfässern gereift ist. Für „riserva“ oder „stravecchia“ sind mindestens 18 Monate nötig. Gezählt wird die Reife im Holz unter Zollverschluss, also unter amtlicher Kontrolle, damit die Angabe nachprüfbar bleibt.
Welches Holz verwendet wird, ist offener als bei Cognac. Neben Eiche kommen in Italien auch andere Hölzer zum Einsatz, und viele Häuser nennen auf dem Etikett das Fass oder den Vorbesitz, etwa Fässer, in denen zuvor Wein lag. Das Holz rundet die Schärfe ab, bringt Vanille, Gewürz und Trockenfrüchte und macht die Farbe dunkler.
Eine lange Holzreife ist kein Qualitätsbeweis an sich. Eine aromatische Grappa aus Moscato verliert im Fass leicht genau das, was sie besonders macht. Deshalb bleiben gerade die duftigsten Grappe oft jung, während kräftige Trester aus Rotweinsorten wie Nebbiolo das Holz gut vertragen.
Was heißt monovitigno? Sortenreine Grappa erklärt
Lange war Grappa ein Brand aus gemischtem Trester, gesammelt aus vielen Kellern. Das änderte sich im Friaul. Am 1. Dezember 1973 brannten Benito und Giannola Nonino in Percoto zum ersten Mal den Trester einer einzigen Rebsorte getrennt: Picolit, eine seltene einheimische Weißweinsorte. Diese Grappa Monovitigno Picolit gilt als erste sortenreine Grappa. Die Brennerei Nonino besteht seit 1897; Benito Nonino starb 2024.
Heute ist „monovitigno“, eine Rebsorte, auf vielen Etiketten zu lesen. Nennt eine Grappa eine Rebsorte, muss der Trester nach den italienischen Regeln überwiegend von dieser Sorte stammen; andere Sorten sind nur bis 15 % des Gewichts erlaubt. Das Gegenstück heißt polivitigno: Trester mehrerer Sorten, bewusst gemischt, um ein rundes Gesamtbild zu erreichen.
Besonders viele sortenreine Grappe kommen aus dem Piemont. Dort brennt Bocchino in Canelli seit 1898 Trester des Moscato, Berta in Mombaruzzo seit 1947 und Marolo bei Alba seit 1977. Aus dem Nebbiolo, der Rebsorte des Barolo, entstehen kräftige, oft holzgereifte Grappe, aus Moscato und Brachetto duftige junge. Wer verschiedene Rebsorten nebeneinander probiert, versteht schnell, warum der Trester einer Sorte so viel über den Brand verrät.
Grappa-Etikett lesen: was die Angaben verraten
Wer vor dem Regal steht, kann mit wenigen Begriffen viel ablesen. Die Verkehrsbezeichnung „Grappa“ sagt, dass der Trester aus Italien stammt. Eine regionale Angabe wie Grappa trentina oder Grappa friulana grenzt die Herkunft weiter ein. Die Altersangabe verrät, ob und wie lange die Grappa im Holz lag, die Rebsorte, woraus sie gebrannt ist.
Weniger aussagekräftig sind Wörter wie „morbida“, weich, oder Hinweise auf besondere Handarbeit. Sie beschreiben einen Stil, sind aber keine geschützten Stufen. Ein sicheres Zeichen für Qualität ist ein klar benannter Ursprung: Rebsorte, Region, Brennerei und, bei gereiften Grappe, die Reifezeit.