
Iberische Halbinsel
Orujo und Bagaceira: Tresterbrand aus Spanien und Portugal
Orujo ist spanischer, Bagaceira portugiesischer Tresterbrand, beide nach den EU-Regeln für Tresterbrand gebrannt. Geschützt sind Orujo de Galicia sowie Bagaceira aus Alentejo, Bairrada und dem Vinho-Verde-Gebiet. Aus Orujo entsteht in Galicien auch die Queimada, ein flambiertes Getränk mit Zucker und Zitrusschale.
Was ist Orujo? Tresterbrand aus Galicien
Wie im Französischen heißt auch im Spanischen schon der Rohstoff so: „orujo“ ist der Trester, „aguardiente de orujo“ der daraus gebrannte Brand. Zuhause ist er vor allem im regenreichen Nordwesten. In Galicien, wo Weißweine wie Albariño entstehen, wird seit Generationen gebrannt, früher oft mit kleinen, von Hof zu Hof ziehenden Brenngeräten.
Geschützt ist die geografische Angabe Orujo de Galicia, eingetragen seit 1989. Nach dem galicischen Regelwerk müssen Herstellung, Reifung und Abfüllung in Galicien stattfinden, und der Trester muss aus Weinbergen stammen, die zu einer der dortigen Wein-Herkunftsbezeichnungen gehören. Einen jungen, klaren Orujo kann man direkt nach dem Brennen oder nach einer Ruhezeit verkaufen.
Für den gereiften Orujo, „envejecido“, schreibt das Regelwerk mindestens ein Jahr im Holzfass vor, und zwar statisch: ohne Verschnitt mit anderen Bränden während der Reife. Er ist goldgelb bis bernsteinfarben und schmeckt runder als der junge, kantige Orujo blanco.
Ein junger Orujo aus Galicien riecht oft nach frischer Traubenschale, grünen Kräutern und Mandel, mit einer kräftigen, trockenen Schärfe. Er ist herber als eine aromatische Grappa, weil in Galicien vor allem Trester von Weißweinsorten mit viel Säure gebrannt wird. Außerhalb Galiciens brennen auch andere Regionen Nordspaniens Orujo, allerdings ohne eigene geschützte Angabe im EU-Register.
Orujo de hierbas und Licor café: keine Tresterbrände mehr
Auf galicischen Tischen stehen neben dem klaren Orujo oft gelbe oder dunkelbraune Flaschen. Das sind Kräuter- und Kaffeespirituosen auf Orujo-Basis, die Galicien in einem gemeinsamen Regelwerk mit dem Orujo schützt: Aguardiente de Hierbas, Licor de Hierbas und Licor Café de Galicia. Sie schmecken nach Kräutern, Anis oder Kaffee und sind oft gesüßt.
Mit Kräutern, Kaffee oder viel Zucker verlässt ein Orujo die Kategorie Tresterbrand, denn dort sind Aromazusätze verboten. Ein Orujo de hierbas ist also eine Spirituose aus Tresterbrand, aber selbst kein Tresterbrand mehr; ein Licor café ist ein Likör.
Queimada: der brennende Orujo aus Galicien
In Galicien gehört Orujo zu einem Brauch, der Besucher beeindruckt. Für die Queimada wird Orujo mit Zucker, Zitronen- oder Orangenschale und Kaffeebohnen in eine Tonschale gegeben und angezündet. Während die blaue Flamme brennt, wird umgerührt, und jemand trägt einen Spruch auf Galicisch vor, den „conxuro“, eine Beschwörung gegen böse Geister. Beliebt ist die Queimada besonders in der Johannisnacht im Juni.
So alt, wie oft erzählt wird, ist der Brauch wohl nicht. Galicische Medien und Historiker weisen darauf hin, dass weder die Queimada noch der heute übliche Spruch auf heidnische Urzeiten zurückgehen; der Text entstand im 20. Jahrhundert. Wer eine Queimada erlebt, sollte offenes Feuer und Alkohol mit Vorsicht behandeln, denn brennender Alkohol ist eine echte Gefahr.
Bagaceira: Tresterbrand aus Portugal
In Portugal heißt der Trester „bagaço“ und der Brand daraus „aguardente bagaceira“, kurz Bagaceira. Als geografische Angaben geschützt sind Aguardente Bagaceira Alentejo, Bairrada und aus der Região dos Vinhos Verdes. Für die Bagaceira aus Bairrada nennt die Spezifikation mindestens 40 % vol.
Die Portugiesen unterscheiden genau wie die Franzosen zwischen Trester und Wein. Neben der Bagaceira gibt es die „aguardente vínica“ oder „aguardente de vinho“, einen Brand aus Wein, etwa aus Douro, Lourinhã oder Ribatejo. Junge Bagaceira ist klar und kräftig, gereifte trägt den Zusatz „velha“, alt, und hat Holzfarbe. Getrunken wird sie meist nach dem Essen, in kleinen Gläsern.