Die kurze Antwort
Beim Scannen vergleicht eine App dein Foto mit gespeicherten Etiketten und liest zusätzlich die Schrift aus. Am besten klappt das mit einem geraden, scharfen Foto ohne Spiegelung, auf dem das ganze Etikett zu sehen ist. Der kleine QR-Code auf neueren Flaschen ist etwas anderes: Er führt zu Zutaten und Nährwerten, nicht zu einer Bewertung.

Wie funktioniert das Scannen eines Weinetiketts?
Beim Scannen arbeiten meist zwei Verfahren zusammen. Der Bildabgleich sucht in einer Datenbank nach einem Etikett, das so aussieht wie deins: gleiche Formen, gleiche Farbflächen, gleiche Anordnung. Die Texterkennung liest die Buchstaben aus und macht daraus Wörter, mit denen die App weiterarbeiten kann. Aus diesen Wörtern setzt sie Felder wie Weingut, Wein, Jahrgang und Region zusammen.
Jedes Verfahren hat seine eigene Stärke. Der Bildabgleich findet ein bekanntes Etikett sehr schnell, auch wenn die Schrift verschnörkelt ist. Bei einem Etikett, das noch niemand fotografiert hat, bleibt er ohne Ergebnis. Die Texterkennung braucht kein Vorbild in der Datenbank, dafür aber lesbare Buchstaben. Ein sauberes Foto lohnt sich deshalb doppelt: Es hilft beim Vergleichen und beim Lesen.
Warum die Erkennung manchmal danebenliegt
Die meisten Fehlgriffe haben eine einfache Ursache. Fehlt das Etikett in der Datenbank, kann der Bildabgleich nichts finden. Das trifft kleine Weingüter und frisch gestaltete Etiketten besonders oft. Häufig stimmt auch der Jahrgang nicht. Viele Betriebe behalten ihre Gestaltung über Jahre, die Jahreszahl ist nur ein kleines Detail. Liest die App sie nicht, übernimmt sie leicht einen anderen Jahrgang desselben Weins. Die übrigen Hürden haben mit dem Foto selbst zu tun.

- Spiegelung: Ein heller Fleck auf dem Glas löscht genau die Buchstaben, die gelesen werden sollen.
- Wölbung: Zum Rand der Flasche hin werden Buchstaben schmal und verzerrt.
- Schrift: Schreibschrift, Prägung und helle Schrift auf hellem Papier sind schwer zu lesen.
- Ausschnitt: Fehlt ein Teil des Etiketts im Bild, fehlen auch die Wörter darauf.
- Nur die Vorderseite: Zeigt sie vor allem ein Bild oder einen Fantasienamen, fehlen der App die Angaben zur Einordnung.
Weinetikett richtig fotografieren: Licht, Winkel, Spiegelung
Ein gutes Foto dauert nur ein paar Sekunden, wenn du die Handgriffe kennst. Am wichtigsten ist weiches Licht von der Seite. Licht direkt von vorn, also Blitz oder eine Deckenlampe genau hinter dir, wirft einen hellen Fleck aufs Glas. Stell dich so, dass die Lampe schräg neben der Flasche steht. Oder dreh die Flasche ein kleines Stück, bis der Fleck vom Text wegwandert.
Gegen die Wölbung einer Flasche hilft kein Trick, denn ein Foto zeigt nie die ganze Rundung. Konzentrier dich deshalb auf den Teil mit Weingut, Weinname und Jahrgang und dreh ihn in die Bildmitte. Am Rand darf die Schrift verzerrt sein. Was dort verloren geht, ergänzt oft ein zweites Foto von der Rückseite.
- Flasche abtrocknen, wenn sie aus dem Kühlschrank kommt. Beschlagenes Glas macht jedes Foto matt.
- Kamera auf Höhe der Etikettmitte halten, gerade von vorn und nicht schräg von oben.
- So nah herangehen, dass das Etikett den größten Teil des Bildes füllt. Die Ränder bleiben trotzdem drin.
- Auf die Schrift tippen, damit die Kamera dort scharf stellt, und kurz ruhig halten.
- Im dunklen Keller eine Lampe seitlich halten und den Blitz ausschalten.
Rückenetikett scannen: Dort stehen oft die Pflichtangaben
Die Vorderseite soll gefallen, die Pflichtangaben stehen oft woanders. Nach dem Merkblatt der Untersuchungsämter in Baden-Württemberg müssen sie zusammen in einem Sichtbereich stehen, sodass du sie lesen kannst, ohne die Flasche zu drehen. Bei deutschem Qualitätswein gehören unter anderem Alkoholgehalt, Nennfüllmenge, Abfüller mit Anschrift und die Los- oder Prüfnummer dazu. Häufig ist dieser Bereich das Rückenetikett.
Für die Erkennung sind diese Zeilen besonders nützlich. Zwei Weine desselben Weinguts sehen vorn oft fast gleich aus. Hinten unterscheiden sie sich dann in Prädikat, Alkoholgehalt oder Prüfnummer. Fotografier die Rückseite deshalb immer mit, wenn dir die Vorderseite wenig verrät. Was die einzelnen Angaben bedeuten, erklärt der Artikel über das Lesen von Weinetiketten.
QR-Code auf der Weinflasche: Was das E-Label zeigt
Viele neuere Flaschen tragen einen kleinen QR-Code mit dem Wort „Zutaten“. Er gehört zu keiner Bewertungs-App, er ist das sogenannte E-Label. Für Weine, die ab dem 8. Dezember 2023 hergestellt wurden, sind ein Zutatenverzeichnis und eine Nährwertangabe Pflicht. Beides darf hinter dem Code liegen. Den Brennwert und Allergene wie Sulfite muss das Etikett selbst zeigen. Der Brennwert darf dabei mit einem „E“ abgekürzt werden.
Findest du keinen Code, ist das kein Fehler. Als hergestellt gilt ein Wein, sobald er die Merkmale seiner Kategorie erreicht hat. Nach Einschätzung des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sind Stillweine aus dem Jahrgang 2023 deshalb fast alle von der Pflicht ausgenommen. Ältere Weine brauchen den Code ohnehin nicht. Manche Erzeuger drucken Zutaten und Nährwerte auch direkt aufs Etikett.
Für das Scannen heißt das: Der QR-Code ist kein Ausweis für genau diese Flasche. Laut Landesamt dürfen mehrere Weine mit gleichen Zutaten und Nährwerten auf dieselbe Seite verweisen. Die Seite muss mindestens so lange erreichbar sein, wie der Wein bei normaler Lagerung voraussichtlich hält. Als Erfahrungswert nennt das Amt fünf Jahre für übliche Weine und zehn Jahre für lagerfähige, etwa Große Gewächse oder Auslesen.
Barcode oder Etikett scannen: Was ist genauer?
Der Strichcode auf der Flasche ist eine Artikelnummer für den Handel. Er sagt der Kasse, welches Produkt gerade verkauft wird. Ob ein neuer Jahrgang eine neue Nummer bekommt, ist nicht fest vorgegeben. Nach dem Standard der Organisation GS1, die dieses Nummernsystem verwaltet, ist das nur nötig, wenn Kunden den Jahrgang als andere Qualität wahrnehmen und der Wein nicht als laufende Standardware gehandelt wird.
Ein Barcode kann also mehrere Jahrgänge desselben Weins abdecken. Für eine Einkaufsliste reicht das. In einem Keller, in dem ein 2019er anders behandelt wird als ein 2023er, reicht es nicht. Das Foto vom Etikett liefert den Jahrgang, die Artikelnummer im besten Fall nur den Wein. Prüf nach jedem Scan deshalb die Jahreszahl.
Datenschutz beim Scannen: Was dein Foto verrät
Ein Foto enthält mehr als das Etikett. Laut Stiftung Warentest speichern Digitalfotos Datum, Uhrzeit, Kameramodell und Aufnahmeeinstellungen, dazu GPS-Koordinaten, wenn die Kamera auf den Standort zugreifen darf. Fotografierst du deine Flaschen zu Hause und lädst die Bilder später aus der Galerie hoch, kann darin stehen, wo dein Wein lagert. Willst du das nicht, schalte den Standortzugriff der Kamera-App aus.
Bei einer Scan-App lohnt ein Blick in die Berechtigungen. Zum Lesen eines Etiketts braucht sie die Kamera, deinen Standort braucht sie dafür nicht. Beim QR-Code für Zutaten ist die Lage klarer: Die Seite dahinter darf laut Landesamt keine Nutzerdaten erheben und weder Werbung noch Links zu Shops zeigen. Scannst du einen ganzen Keller, entsteht ein genaues Bild deiner Vorräte. Prüf deshalb auch, ob die Sammlung privat bleibt.
Nach dem Scan: Ergebnis prüfen und korrigieren
Kein Scan ist fertig, bevor du ihn einmal angesehen hast. Manche Felder verwechseln Apps besonders gern. Der Name des Weinguts steht oft groß, der Name des Weins klein darunter, manchmal ist es genau umgekehrt. Auch der Jahrgang kann von einem ähnlichen Etikett stammen. Und aus einer Spätlese wird schnell ein schlichter Riesling, wenn das Prädikat klein gedruckt ist.
Korrigier solche Fehler gleich beim Einräumen, später weißt du oft nicht mehr, welche Flasche gemeint war. Übernimm die Angaben so, wie sie auf dem Etikett stehen, mit Umlauten und Bindestrichen. Einheitliche Schreibweisen verhindern doppelte Einträge, wenn du denselben Wein ein zweites Mal kaufst.
So liest Gustofolio Weinetiketten
In Gustofolio fotografierst du die Flasche mit der Kamera der App. Gustofolio liest daraus Weingut, Wein, Jahrgang und Region. Vorder- und Rückseite nimmst du nacheinander auf, und mehrere Flaschen kannst du am Stück erfassen, etwa wenn du einen Karton auspackst. Bei Whisky liest die App Destillerie, Alter, Fass und Stärke.
Im Laden hilft dasselbe Foto beim Abgleich mit deinem Keller: Du siehst, ob du die Flasche schon hast und wie sie dir geschmeckt hat. Die Daten deiner Sammlung liegen in einem Rechenzentrum in Frankfurt am Main. Privat bleibt die Sammlung, bis du selbst etwas teilst. Gustofolio läuft im Browser auf jedem Gerät und als App auf Android.
Häufige Fragen zum Weinetikett scannen
Beim Scannen tauchen immer wieder dieselben Fragen auf. Meist geht es um den QR-Code, der mit der Erkennung des Weins wenig zu tun hat, oder um schlechte Lichtverhältnisse im Keller. Hier findest du die kurzen Antworten, die längeren stehen in den Abschnitten oben.
Kann ich ein Weinetikett ohne App scannen?
Den QR-Code für Zutaten liest in der Regel schon die Kamera deines Handys. Er zeigt aber nur Zutaten und Nährwerte. Den Wein erkennen und in eine Liste übernehmen kann nur eine App, die Bilder abgleicht oder Text liest.
Warum hat meine Weinflasche keinen QR-Code?
Zutaten und Nährwerte sind erst für Weine Pflicht, die ab dem 8. Dezember 2023 hergestellt wurden. Ältere Jahrgänge brauchen den Code nicht. Außerdem dürfen Erzeuger die Angaben direkt aufs Etikett drucken.
Warum zeigt der QR-Code keinen Preis und keine Bewertung?
Weil die Seite hinter dem Zutaten-Code neutral bleiben muss: keine Werbung, keine Shop-Links, keine Erhebung von Nutzerdaten. Laut bayerischem Landesamt darf das E-Label nicht einmal auf der Homepage des Abfüllers liegen.
Wie scanne ich im dunklen Keller?
Nimm eine zweite Lichtquelle mit und halte sie seitlich an die Flasche. Der Blitz direkt von vorn erzeugt fast immer einen Fleck mitten im Text. Staubige Flaschen wischst du vorher kurz ab.