Die kurze Antwort
Ein Weinkeller sollte im Mittel 10 bis 12 Grad haben, und die Temperatur sollte möglichst gleichmäßig bleiben. Die Luftfeuchtigkeit liegt am besten zwischen 50 und 70 Prozent. Miss beides mit einem Thermo-Hygrometer in Höhe der Flaschen und schau dir die Werte über mehrere Wochen an, nicht nur an einem Tag.

Welche Temperatur braucht ein Weinkeller?
Das Deutsche Weininstitut nennt für die Lagerung eine Durchschnittstemperatur von 10 bis 12 Grad als ideal. Wichtiger als der genaue Wert ist, dass die Temperatur nicht ständig schwankt. Je wärmer es ist, desto schneller reift der Wein, und dauerhaft über 20 Grad ist ein Raum für die Lagerung ungeeignet.
Ein Keller, der im Winter 9 und im Hochsommer 16 Grad hat, ist deshalb nicht verloren. Die Veränderung verläuft dort langsam über Monate. Problematisch sind schnelle Sprünge, etwa neben einer Heizung, einem Heizungsrohr oder an einer Außenwand, auf die die Sonne scheint.
Die richtige Luftfeuchtigkeit im Weinkeller
Für die Luftfeuchtigkeit empfiehlt das Weinmagazin Vinum 50 bis 70 Prozent. Ist die Luft über lange Zeit deutlich trockener, kann ein Naturkorken austrocknen und undicht werden. Dann kommt Luft an den Wein, er oxidiert, im schlimmsten Fall läuft er aus.
Ist die Luft zu feucht, leiden vor allem Kartons und Etiketten. Sie können schimmeln, und für eine Sammlung ist ein schimmliges Etikett ärgerlich, weil es die Flasche schwerer zuordnen lässt. Vinum weist darauf hin, dass Schimmel seltener an der Feuchte selbst liegt als an stehender Luft. Ein Keller ohne Luftaustausch schimmelt schneller als ein etwas feuchterer, der regelmäßig gelüftet wird.

Das richtige Messgerät: Thermo-Hygrometer
Für den Anfang reicht ein digitales Thermo-Hygrometer, das Temperatur und Luftfeuchtigkeit zugleich anzeigt. Achte beim Kauf darauf, dass es Höchst- und Tiefstwerte speichert. Sonst siehst du nur den Moment, in dem du zufällig in den Keller gehst, und verpasst die warme Nacht im August.
Wer es genauer wissen will, nimmt einen Datenlogger oder einen Funksensor. Beide zeichnen die Werte in festen Abständen auf, und du siehst später als Kurve, wie sich der Keller über Tage und Jahreszeiten verhält. Funksensoren schicken die Werte zusätzlich an ein Gerät in der Wohnung, du musst dafür also nicht in den Keller.
Wo du im Keller misst
Miss dort, wo die Flaschen liegen, und nicht an der Tür. Warme Luft steigt nach oben, deshalb ist es unter der Decke oft wärmer als am Boden. Liegen deine Flaschen in einem hohen Regal, lohnt ein zweiter Messpunkt oben.
Häng den Sensor nicht direkt an eine Außenwand und nicht neben ein Heizungsrohr. Beides verfälscht die Werte in die eine oder andere Richtung. Gib dem Gerät nach dem Aufstellen einige Stunden Zeit, bis es sich an den Raum angepasst hat, bevor du den ersten Wert ernst nimmst.
Hygrometer selbst prüfen mit dem Salztest
Gerade einfache Hygrometer können bei der Luftfeuchte ein paar Prozent danebenliegen. Mit einem einfachen Test prüfst du deins selbst. Über einer gesättigten Kochsalzlösung stellt sich eine Luftfeuchtigkeit von etwa 75 Prozent ein. Diesen Fixpunkt hat das amerikanische Normeninstitut schon 1977 in einer bis heute zitierten Messreihe festgehalten.
So geht es: Gib etwas Kochsalz in eine kleine Schale und träufle so viel Wasser dazu, dass ein feuchter Brei entsteht, in dem noch ungelöstes Salz liegt. Stell die Schale zusammen mit dem Hygrometer in einen dicht verschlossenen Beutel oder eine Dose und lass beides über Nacht bei gleichbleibender Raumtemperatur stehen. Zeigt das Gerät danach deutlich mehr oder weniger als 75 Prozent an, kennst du seine Abweichung und rechnest sie künftig mit ein.
Zu warm, zu trocken, zu feucht: Was du tun kannst
Ist der Keller im Sommer zu warm, hilft zuerst Schatten: Fenster abdunkeln und keine warme Luft hereinlassen. Reicht das nicht, sind ein Weinklimaschrank für die besten Flaschen oder ein kühlerer Platz im Haus oft die einfachere Lösung als ein Klimagerät für den ganzen Raum.
Ist die Luft zu trocken, genügt häufig eine große Schale mit Wasser oder ein feuchter Stein im Raum. Ist sie zu feucht, bringt Lüften nur zur richtigen Zeit etwas. Das hessische Verbraucherportal warnt ausdrücklich: Warme, feuchte Sommerluft kühlt an den kalten Kellerwänden ab, der Wasserdampf kondensiert, und der Keller wird feuchter statt trockener. Gelüftet wird im Sommer deshalb nur früh am Morgen oder in kühlen Nächten, besser noch im Frühling, Herbst und Winter.
Licht und Erschütterungen gehören auch dazu
Neben Temperatur und Feuchte zählt das Licht. Das Australische Weinforschungsinstitut hat gemessen, wie schnell Wein unter Lampenlicht einen typischen Lichtgeschmack bekommt: Weißwein in klarem Glas zeigte ihn in einem Versuch schon nach wenigen Stunden, in grünem Glas deutlich später. Sonnenlicht wirkt noch stärker. Ein Keller sollte also dunkel sein, und das Licht brennt nur, wenn du drin bist.
Leichte Erschütterungen, etwa von einer Waschmaschine im Nebenraum, werden oft überschätzt. Dasselbe Institut fand keine Literatur, die zeigt, dass die Vibration eines Kühlgeräts dem Wein schadet. Einen festen Platz ohne ständiges Umräumen verdient deine Sammlung trotzdem.
Das Kellerklima mit Gustofolio im Blick
Gustofolio zeigt dir zu jedem Lagerort die aktuelle Temperatur und Luftfeuchtigkeit, wenn du einen Sensor über Home Assistant anbindest. Du legst für jeden Lagerort einen Zielbereich fest und siehst, seit wann ein Wert außerhalb liegt. So erkennst du eine warme Sommerwoche, bevor sie deinen Weinen schadet, und weißt bei jeder Flasche gleich, in welchem Klima sie liegt.
Häufige Fragen zum Weinkeller-Klima
Diese Fragen kommen oft, wenn jemand zum ersten Mal im eigenen Keller misst.
Ist ein Keller mit 15 Grad zu warm?
Nicht unbedingt. Der Wein reift dort etwas schneller als bei 10 bis 12 Grad. Solange die Temperatur gleichmäßig bleibt und nicht dauerhaft über 20 Grad steigt, eignet sich der Raum zur Lagerung, vor allem für Weine, die du in den nächsten Jahren trinkst.
Wie oft soll ich messen?
Am aussagekräftigsten ist eine Messung über ein ganzes Jahr, denn Sommer und Winter unterscheiden sich im Keller deutlich. Ein Gerät, das Höchst- und Tiefstwerte speichert oder die Werte aufzeichnet, nimmt dir das tägliche Nachschauen ab.
Brauchen Flaschen mit Schraubverschluss eine bestimmte Luftfeuchte?
Für den Verschluss nicht, denn ein Schraubverschluss trocknet nicht aus. Die Etiketten freuen sich trotzdem über ein Klima ohne Schimmel.
Wann soll ich den Keller im Sommer lüften?
Früh am Morgen oder in kühlen Nächten, wenn die Außenluft kühler ist als der Keller. Bei warmer, feuchter Luft bleiben die Fenster besser zu.